Ich bin Dir nah', Du ahnſt es nimmer!
Dabei war auch die friſche Jagdfanfare, ehe ſich der Vorhang ſchloß, von gewaltiger Wirkung, und ein alter Geheimrath, ein Verehrer claſſiſcher Muſik, ſagte, die berühmte Trompeterfanfare in der Oper Fidelio habe ihn nicht mehr erſchüttert, als hier der ſo vortrefflich angebrachte Klang des Waldhorns— der Geheimrath war nebenbei ein wenig Hofſchmeichler, und ſeine ſehr laute Aeuße⸗ rung wurde mit einem gnädigen allerhöchſten Blicke belohnt.
Für das Ende hatte Schlegel noch eine Ueberraſchung auf⸗ geſpart; denn nachdem ſich der Vorhang hinter dem letzten Bilde geſchloſſen, öffnete er ſich wenige Minuten darauf langſam wieder und zeigte eine Gartenterraſſe des Schloſſes, in welchem nun wahr⸗ ſcheinlich der Königsſohn mit Dornröschen wohnte.
Auf dieſer Terraſſe befand ſich, von Blumen umgeben, ein Marmorbaſſin, aus welchem ein lebendiger Waſſerſtrahl in die Höhe ſtieg und plätſchernd wieder niederfiel, während man über das Geländer hinweg eine wunderbare Fernſicht hatte.
Der Staatsrath von Stumpfenfels und der Kammerherr Frei⸗ herr von Schenk ſtanden neben dem Ober⸗Hofmarſchall, und als der Freiherr von Schenk den Fürſten jetzt abermals und ſehr heftig applaudiren ſah, flüſterte er ſeinen Collegen zu:„Wir hätten die Artikel eben ſo gut einſalzen können.“
„Und es wäre vielleicht klüger geweſen, denn der Fürſt ſprach mir vor ein paar Tagen mit koloſſaler Naivetät von einem dritten Artikel, den ich ihm nicht vorgelegt.“
„Ah, mon Dieu, iſt das nicht gefährlich?“
„Es macht unſer Manöver gegen den gemeinſchaftlichen Feind vor der Hand zu nichte— ich war ſo klug, über den Artikel zu lachen und ihm ſelbſt eine Stelle am Schluſſe in's Gedächtniß zurück⸗ zurufen, wo es von unſerem allerdings noch nicht weit vorgeſchrittenen zoologiſchen Garten heißt: ‚Man erlaubt ſich ſchließlich, ein geehrtes Publikum zu benachrichtigen, daß die Abtheilung für Würmer be⸗ deutend vermehrt worden iſt, und zwar von der intereſſanten Gat⸗ ſtung, welche ein gewiſſer hoher Beamter den Actionären aus der


