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12 Fünfundvierzigſtes Kapitel.
Naſe zu ziehen glaubte, als er das Ganze in ſeine umſichtige und kräftige Hand nahm. Allerhöchſtdieſelben lachten über den ſchlechten Witz anhaltend, ſo daß ſie alles Andere total vergaßen.“
„Die Frau Fürſtin⸗Mutter,“ ſagte der Ober⸗Hofmarſchall, welcher die Bewegungen ſeiner Herrin genau beobachtet,„hat von der ganzen Komödie ſehr wenig geſehen, ſie unterhielt ſich in Einem fort höchſt gnädig mit ihren Nachbarn, und bei dieſem letzten Trumpf, den Herr Rodenberg ſeinen Herrn Schlegel ausſpielen läßt, wendet ſie der Bühne den Rücken— wie ich die Eigenſchaften dieſer hohen Dame bewundere...“
„Und ihre unerſchütterliche Conſequenz,“ ergänzte der Kammer⸗ herr—„ihre vornehme Kälte— ihren wundervollen Haß, der
noch wie Keulenſchläge auf die Häupter unſerer Feinde nieder⸗
fallen wird.“—
Rodenberg hatte ſich hinter der Scene von Schlegel verab⸗ ſchiedet und ihm dabei geſagt, wie zufrieden der Fürſt mit ſeinen Leiſtungen ſei und daß er ſicher auf eine glänzende Anſtellung rechnen dürfe. Der Decorationsmaler, welcher heute Abend ſelbſt Hand angelegt hatte, wie ein halbes Dutzend Arbeiter in ſeiner beſtaubten und mit Flecken beſäeten Blouſe, ſchüttelte ihm dankend die Hand und konnte mit einem Blicke auf den ſchwarzen Frack und die weiße Halsbinde des Anderen nicht unterlaſſen, zu ſagen:„Nehmen Sie mir nicht übel, lieber Rodenberg, wenn ich mich glücklich ſchätze, jetzt, nach gethaner Arbeit, ruhen zu dürfen, daß ich mich deßhalb ſo ſchleunig zurückziehe, als möglich.“
„Wohin gehen Sie, Sie Glücklicher?“ fragte der Andere, in⸗
dem ein leichter Schatten über ſeine Züge flog.
„Wir haben uns in die ‚Goldene Kanne: beſtellt— Walter kommt dorthin, den ich, ſeit er zurück iſt, nur ein paar Mal flüch⸗ tig geſehen, und auch der kleine Rafael— das iſt ein ganz ge⸗ wichster Burſche, der ſeinen Weg machen wird.“
„Laſſen Sie nur öffentlich ſich nicht zu viel mit ihm ſehen,“ warnte Rodenberg;„nicht als ob er mir nicht eben ſo lieb als die


