Wohl eine Ueberraſchung iſt mein Kommen! 301
Anhänglichkeit— freilich bedauerte er Deine jetzige Stellung und ſagte unverhohlen, die Hofluft, in der Du lebeſt, habe einen tüch⸗ tigen Künſtler umgebracht.“
„Umgebracht kann ich nicht zugeben— glaube mir, Walter, ich fühle das heilige Feuer ſtark und kräftig unter der Aſche lodern, die ſich auf mein Herz gelagert, und hoffe auf einen wohlthätigen Ausbruch, der mich vielleicht unſanft in die Höhe ſchleudert, aber mich wieder verjüngt erſtehen läßt.“
„Ein glänzender Phönix— ich hoffe das auch.“
„Doch reden wir nicht von mir— wir kamen ganz von Lytton ab, oder von Lord Warren— wo iſt er und was treibt Seine Herrlichkeit?“
„Er hat die diplomatiſche Laufbahn ergriffen, wie mir Olfers ſagte, da es ihm wahrſcheinlich in ſeinem Vaterlande zu langweilig iſt; er hoffte damals, nach Italien verſetzt zu werden, worauf ſich Olfers wie ein Kind freute— wie möchte ich es ihm wünſchen, daß unſer armer Freund dieſen friſchen, lebensluſtigen Kerl an ſeiner Seite hätte!“
Walter trank langſam und behaglich ſein Glas aus, dann ſtrich er ſeinen vollen Bart und ſagte, indem er dem Rauche ſeiner Cigarre nachblickte:„Wie doch durch die Nennung von all' den Namen der guten Freunde von damals wieder jene Zeit ſo lebendig vor mich hintritt; ich befinde mich wieder in den winkligen Straßen und ſehe an jedem Fenſter ein bekanntes Geſicht— Apropos, Michel Angelo Schmitz hat nicht geheirathet, wie ich ſchon auf Falkenſtein hörte.— Was wurde denn aus der ſchönen Conchitta, unſerer liebens⸗ würdigen Collegin, und was weißt Du von unſerer vortrefflichen Wirthin in Köln? Die Dankbarkeit hätte mich eigentlich veranlaſſen ſollen, ſchon lange nach den beiden Schweſtern zu fragen, doch hielt mich ein gewiſſes Zartgefühl ab, denn aufrichtig geſagt, ich dachte, Du würdeſt ſogleich davon anfangen— weißt Du, guter Kerl, daß eine meiner erſten Fragen an den kleinen Rafael die war, ob Du ver⸗ heirathet ſeieſt?“


