Teil eines Werkes 
55. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Vierundvierzigſtes Kapitel.

Dummes Zeug wie kommſt Du auf einen ſolchen Gedanken?

Nun, bei Gott iſt Alles möglich, und bei verliebten Weibern ebenfalls!

Zugegeben aber die Bedingung der Liebe fehlte.

Den Teufel auch, ſo viel bin ich doch wohl noch Kenner eines weiblichen Herzens oder eines Paares ſo ſchöner weiblicher Augen!

Die Kennerſchaft in Ehren wir irrten uns damals außerordentlich!

Du auch! fragte der alte Maler achſelzuckendnun, dann tröſte Dich mit dem Gedanken, daß es doch hätte ſein können und es vielleicht beſſer iſt, daß es kam, wie es kam!

Von Conchitta erfuhr ich nichts mehr, ſprach Rodenberg mit leiſer Stimme, indem er vor ſich niederſchaute,und was die Andere anbelangt, ſo hat ſie gehalten, was ſie verſprochen.

Alſo doch ei, Du Heuchler!.

Sei ſo gut und laß mich ausreden ſie wurde eine große, berühmte Sängerin und entzückte durch ihre Kunſt die halbe Welt wie ich neulich hörte, ſoll ſie auch nächſtens dieſen kleinen Erden⸗ winkel hier mit ihrer Gegenwart beglücken.

Du ſagſt das mit einer ganz verfluchten Ruhe! gab der alte Maler zur Antwort, indem er ſeinen Freund ſtarr und forſchend anblickte.

Warum ſollte ich nicht? Wenn ich mich ſchon auf den Kunſt⸗ genuß freue, der mir bevorſteht, freue auch Du Dich: Volkslieder ſoll ſie mit einer ganz merkwürdigen Bravour ſingen ich hoffe nicht, daß Du geizig geworden biſt und ein paar Thaler anſiehſt doch nun genug des Vergangenen und Begrabenen! rief er mit einer gewaltſam ausbrechenden Luſtigkeitauch die Gegen⸗ wart hat ihr Recht, das heißt die gegenwärtige Stunde ſtoßt an und laßt dieſen ſchäumenden Wein für uns in mancher Be⸗ ziehung zum ächten und unverfälſchten Lethe werden!

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