Teil eines Werkes 
55. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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300 Vierundvierzigſtes Kapitel.

Möglich aber es wäre ſchrecklich!

Schrecklich allerdings, und beſonders in den Folgen für den armen Olfers ich habe ſchon oft den furchtbaren Gedanken gehabt, es könne einmal vorkommen, daß er dicht an ihr vorüber⸗ ginge, daß ſeine Hand ihr Gewand ſtreife, ja, daß Margarethe ihn ſogar erkennen würde und daß ſie, wenn auch vielleicht mit tiefem Schmerze, ſich abwenden, ihn auf's Neue fliehen würde denn darauf kannſt Du Dich verlaſſen, Frau Hildegard hat nichts ver⸗ ſäumt, dem Kinde den eigenen Vater als ein Ungeheuer von Lieb⸗ loſigkeit und Falſchheit darzuſtellen.

Aber er würde ſein Kind unbedingt erkennen, wenn er ſie mit ſeinem ſcharfen Auge ſähe.

Vielleicht vielleicht auch nicht denke Dir, es ſind acht Jahre verfloſſen; aus dem damaligen kleinen, ſchwächlichen Mädchen iſt vielleicht eine blühende Jungfrau erwachſen, deren Geſichtszüge

ſich vollkommen verändert haben man hat genug Beiſpiele

der Art.

So wäre ſie alſo ewig für ihn verloren?

Ich fürchte faſt und ſo grauſam es klingt, ſo möchte ich für ſeine Ruhe wünſchen, er vermöchte es über ſein Herz und ſeinen Verſtand, ſich an dieſen Gedanken zu gewöhnen das allein könnte ihn der Welt und uns wiedergeben; doch wird er zu dieſer Ruhe ſchwerlich gelangen. Wie ich vorhin ſchon ſagte, ſo hat er ſich ab⸗ ſichtlich ſo lange von der Heimath fern gehalten und faſt alle Ver⸗ bindungen mit ihr abgebrochen.

Das iſt wahr, denn auf ein paar lange und ausführliche Briefe, die ich ihm ſchrieb, erhielt ich einige ſpärliche, wenn auch nicht gerade unfreundliche Zeilen zur Antwort, zwiſchen denen ich

aber deutlich leſen konnte, daß er eine Fortſetzung unſeres Brief⸗

wechſels nicht verlange und wünſche ich muß Dir geſtehen, das ſchmerzte mich!

Aber mit Unrecht denn ich kann Dich verſichern, er ſprach von Dir mit der größten Wärme und mit den Ausdrücken herzlicher