Wohl eine Ueberraſchung iſt mein Kommen!
mir die Urheberin ſeiner Leiden, jene verkniffene, gallichte, bittere Perſon je zu Geſicht käme, ich glaube, ich würde ihr mit einer theatraliſchen Attitude ſagen: Madame, ich verachte Sie!“
„Das würde ich nicht thun— ich würde ihr ſtillſchweigend folgen— ah, wie oft habe ich davon geträumt und welche Luſt wäre es mir geweſen, in dieſer Richtung für den guten Olfers wirken zu können— aber ich glaube, der Frau Hildegard folgt in dieſem Leben Niemand mehr!“
„Wie verſtehſt Du das?“
„Ich glaube, daß ſie geſtorben iſt— ich weiß nicht, ſoll ich ſagen: ich fürchte das, oder ich hoffe das?“
„Mir iſt nur Eines an der ganzen Sache unklar, daß nämlich Margarethe, die ja ihren Vater ſo innig liebte, nicht endlich einmal feſt auftrat, nachdem ſie herangewachſen war— und herangewachſen iſt ſie— laßt mich einmal rechnen— wie alt war das kleine Mädchen damals?“
„Acht oder neun Jahre, ſo viel ich mich erinnere.“
„Nun, ſo iſt ſie jetzt ſechzehn oder ſiebenzehn und wird wohl Verſtand genug haben, ſich ihres treuen, guten, ehrlichen Vaters zu erinnern.“
„Ob ſie ſich aber ſeiner unter dieſen von Dir angeführten Benennungen erinnert, iſt wohl eine andere Frage— laß Du einmal lange Jahre in Dich hineinreden, über einen Abweſenden reden, der ſich nicht vertheidigen kann— höre Du täglich alles mögliche Böſe über ihn an, das heißt, wenn Du ein Kind von acht Jahren wäreſt, das noch nicht Urtheilskraft und Charakterſtärke genug hat, um unter dem Einfluſſe einer übelgeſinnten Mutter an den erſten, ihr damals ſo lieben Erinnerungen der Jugend feſtzu⸗ halten— laß Du Dir durch Worte und Thränen, durch Klagen und Vorwürfe das Bild irgend Jemandes, den Du wirklich geliebt, trübe und unſcheinbar machen, und wir wollen ſehen, ob Du nicht
auch am Ende der Anſicht Deiner ausſchließlichen Umgehuns würdeſt!“ Hackländer's Werke. 55. Bd.


