312 Vierundvierzigſtes Kapitel.
Du erkundigteſt Dich gewiß während Deiner Anweſenheit in Florenz bei Olfers nach ihm?“
„Allerdings that ich das— ich gedenke immer noch mit großer Anhänglichkeit jenes friſchen, lebensfrohen jungen Mannes, der ein tüchtiger Künſtler geworden wäre, wenn er nicht ſo viel Geld zur Verfügung gehabt hätte.“
„Ja, er war ein guter, anhänglicher Kamerad— was wußte Olfers von ihm?“
Walter zog ſeine Stirn in düſtere Falten, ſtützte den Kopf in die Hand und ſagte mit einem affectirten, ernſten und hohlen Tone: „Lytton exiſtirt nicht mehr!“
„A— a— a—ah!“ rief Rodenberg auffahrend—„wär's mög⸗ lich, Lytton geſtorben?— Doch nein, ich ſehe den Schalk in Deinem Blicke, Deine Mundwinkel verziehen ſich— warum ſo traurige und ſchlechte Späſſe, mein alter Geſelle?“
„Was habe ich denn Trauriges geſagt? Ich berichtete nur, Lytton exiſtire nicht mehr, und darin ſprach ich die Wahrheit— Lytton als ſolcher hat aufgehört zu leben, athmet nicht mehr im roſigen Lichte, wie der Dichter ſagt.“
„Und wie ſollen wir das verſtehen?“
„So ein Engländer hat ein zähes Leben,“ entgegnete der alte Maler lachend,„er ſtirbt als Lytton und ſteht als Lord Warren wieder auf!“
„Ah, das freut mich— ſo ſtarb ſein Oheim, der ältere Bruder ſeines Vaters?“
„Er ſtarb, nachdem er vorher zum Heile des Lytton einen ſchwächlichen Sohn begraben. Olfers ſagte mir das, und es war das Einzige, was er mir mit reger Theilnahme erzählte; dabei lächelte er wieder einmal und ſeine Augen glänzten wie früher— ſchade um ihn!“ 1
„Um wen?— Um Lytton?“
„Nein, um Olfers— welch kerniger Mittelpunkt wäre er für uns geblieben, wie belehrend, wie anregend— ich glaube, wenn


