Wohl eine Ueberraſchung iſt mein Kommen! 311
„Van der Maaßen verheirathet?
„So war es, und er machte ſeine Hochzeitsreiſe. Anfangs kannte er mich nicht; als ich ihn aber bei Seite zog, meinen Namen nannte und raſch meine Erlebniſſe erzählte, auch von Herrn Roden⸗ berg ſprach, da war er ganz wie früher, ſchüttelte mir kräftig die Hand und ſtellte mich ſeiner Frau vor, und dann blieben wir den ganzen Tag beiſammen, wo er mir, behaglich hinter dem Rad⸗ kaſten ſitzend, aus ſeiner Vergangenheit erzählte, während wir das Erzeugniß der berühmten Weinberge, an denen wir vorüberfuhren, gewiſſenhaft verſuchten. Van der Maaßen hatte die erſten Jahre Muſter gezeichnet, dann war er Chef d'atelier geworden und endlich durch einen merkwürdigen Zufall Inſpector der großartigen Appretir⸗ Anſtalt der Fabrik: man hatte eine Maſchine neueſter Conſtruction bekommen, die aber nur mangelhaft ihren Dienſt verſah, worauf van der Maaßen ſie eines Tages unterſuchte und, wie er behauptete, mit voller Ueberzeugung eine Schraube auszog, die ihm im Trieb⸗ werke hinderlich erſchien, worauf die Maſchine ſofort ihren Dienſt that und vortrefflich arbeitete.“
Die beiden Freunde lachten, und Walter ſagte:„Ich bin über⸗ zeugt, der gute dicke Kerl hat die Schraube auf's Gerathewohl ausgedreht; doch freut es mich für ihn, daß er ſeine Eichel ge⸗ funden.“
„Er verſprach, uns hier zu beſuchen, wie Rafael mir mittheilte; doch kam ſtatt ſeiner ein ſehr humoriſtiſcher Brief, worin er mir die Mittheilung machte, daß ſeiner Frau eine weitere Reiſe eigen⸗ thümlicher Verhältniſſe wegen nicht zuträglich geſchienen und er deß⸗ halb nach Hauſe zurückgekehrt ſei, aber dabei die Hoffnung ausſprach, in nicht zu langer Zeit auch uns ſehen zu können.“
„Und der ſanfte Eduard— was weißt Du von ihm?“
„Nicht viel, doch ſoll es ihm ganz gut gehen: er ſchrieb ein⸗ mal an mich, da er gehört, es ſei in unſerer Gemäldegallerie eine Inſpector⸗Stelle offen; doch war ich nicht im Stande, eiwas für ihn zu thun— nach Lytton wollie ich Dich auch ſchon fragen—


