Teil eines Werkes 
55. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Wohl eine Ueberraſchung iſt mein Kommen! 309

die frommen Brüder wacker mit; ein paar Mal zupfte es mich gewaltig, dort zu bleiben, aber wenn man nackte Göttinnen und dergleichen laſterhafte Geſchichten copirt, ſo paßt man doch nicht gut in ein Kloſter.

Gedachte Knorx oft der Zeit im Reichsapfel und unſer Aller?

Gewiß, und wenn der prophetiſche Geiſt über ihn kommt, was immer noch zuweilen geſchieht, ſo konnte er ſagen:Laßt ſie nur flattern und ihre Bahnen ziehen, den Einen nach Oſten, den Anderen nach Weſten, Alle, die dazu berufen ſind und denen ich es im Grünen Baume prophezeiht, tragen einen goldenen Faden am Fuße, der ſie an den gewiſſen Ort zuſammenführen wird!

Und was meint er mit dem gewiſſen Orte vielleicht das Grab?

Dieſelbe Bemerkung machte ich ihm auch einmal, doch ſchüttelte er lächelnd ſein Haupt und ſagte: ‚Um dahin zu gelangen, braucht man kein wahrer Künſtler zu ſein und keinen goldenen Faden am Fuße zu haben nein, wo wir uns noch einmal wiederſehen werden, das iſt am Hofe eines gewaltigen Königs unter Marmor⸗ hallen, die auf einem hohen Berge liegen, von wo man rings um⸗ her eine entzückende Ausſicht genießt, während duftende Orangen uns umgeben und murmelnde Springbrunnen wohlthätig die Hitze kühlen, wo lieben wird, wer zu lieben vermag und lieben darf!

Die letztere Verheißung ſcheint mir im Munde eines Mönches etwas ruchlos zu ſein.

Wer lieben darf! ſagte er ja. Es that mir leid, als ich den guten Knorx endlich verließ.

Haſt Du ihn nicht in ſeiner Ordenstracht ſkizzirt?

Er verbot es mir, denn er wollte nicht, daß man ſich hier außen über ihn luſtig mache.

Guter Knorx, ich hätte ſo gern Dein ehrliches deutſches Ge⸗ ſicht wieder einmal geſehen!

Und wem biſt Du in all der Zeit von den früheren Freunden hegegnet?