Teil eines Werkes 
55. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Wohl eine Ueberraſchuug iſt mein Kommen! 305

noch ſo gut im Gedächtniß, daß es mir möglich war, ihr Geſicht mit ein paar Bleiſtiftſtrichen zu ſkizziren, und ebenſo die lieben Züge der kleinen Margarethe.

Nun?

Von der Frau, die dort gewohnt, ſagte mir Jemand, der ſie häufig geſehen, ſei keine Spur in meiner Zeichnung zu finden, und wenn auch das Geſicht des jungen Mädchens eine Aehnlichkeit mit meiner Skizze zeige, ſo wäre dieſelbe keinenfalls ſtark hervortretend und mehr dem Umſtande zuzuſchreiben, daß ein jugendliches Geſicht dem andern immer etwas ähnlich ſehe.

Wie hieß doch der gewiſſe Kammerjunker, der zur damaligen Zeit ſtark bei der Geſchichte betheiligt war und dem wir Alle mit einander nichts Gutes zutrauten?

Freiherr von Schenk, Kammerherr Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Fürſtin⸗Mutter, ein Mann von Bedeutung im Departe⸗ ment der allerhöchſten Unterröcke.

Und dieſem Manne, deſſen Gewiſſen ſo faltenreich iſt, wie eines der gerade erwähnten Kleidungsſtücke, haſt Du nie verſucht, ihm auf den Zahn zu fühlen, ihm ein unbedachtes Wort zu entlocken?

Es war das ſehr ſchwierig, da er, einer andern Partei bei Hofe angehörend, mir ſtets ſo ſteif und förmlich entgegentrat, wohl abſichtlich, um jede Annäherung zu verhüten.

Und Du biſt ihm nie auf den Leib gegangen?

O ja, das habe ich gethan, und ziemlich derb, indem ich ihm in Ausſicht ſtellte, in einer guten Stunde ſeine Königliche Hoheit ſelbſt von dieſer Angelegenheit zu unterhalten. Da gab er denn endlich zu, er wolle nicht läugnen, daß er um den Aufenthalt Hildegard's und ihrer Tochter gewußt, ohne aber auch nur im geringſten bei der Entführung des jungen Mädchens betheiligt geweſen zu ſein. Feierlich gab er dabei ſein Ehrenwort, daß er von ihrem gegenwärtigen Aufenthalte nichts wiſſe, und ſetzte als⸗ dann mit ſehr geſprächigem, hochmüthigem Weſen hinzu, er hoffe