Vierundvierzigſtes Kapitel.
die ſchreckliche Krankheit aufhören laſſe— da ſtürzt aus einem Haufen Volkes ein verzweifeltes Weib hervor und wirft ihr todtes Kind zu den Füßen des voranſchreitenden Biſchofs.“
„Ein ergreifender, aber furchtbarer Vorwurf.“
„Wie in Allem, was er jetzt componirt und malt.“
„Und er hofft immer noch, ſeine Tochter wiederzufinden?“
„Es ſcheint mir ſo— ihn geradezu fragen mochte ich nicht; doch als ich ihm eines Tages ſagte, es ſcheine mir, er halte alles weitere Suchen für überflüſſig, da er ſich jahrelang in Italien aufhalte, ohne mit der Heimaih in Verbindung zu bleiben, gab er mir zur Antwort, das heißt, er ſprach eigentlich mehr zu ſich ſelber, als zu mir: ‚Ich werde ſie ſicher machen und ſie vielleicht veran⸗ laſſen, unvorſichtig zu werden. Dann blickte er raſch auf, legte ſeine Hand auf meine Schulter und fragte mich: ‚Nicht wahr, Walter, ich habe es mit einem treuen Freunde zu thun?— Und Ihr hier außen,“ fuhr der alte Maler nach einer Pauſe fort,„habt Ihr gar nichts mehr von dieſer räthſelhaften Geſchichte erfahren?“
„So gut wie gar nichts,“ ſagte Rodenberg;„nur einmal, es ſind ſchon einige Jahre her, glaubte ich etwas zu erfahren— aber es war eine Nachricht ohne Anfang und Ende, etwas, das wie ein Blitz erſchien, das eben ſo ſpurlos wieder verſchwand und keine Erkundigungen geſtattete. Ich hörte nämlich eines Tages von einer Frau reden, die wenige Stunden von hier mit ihrer Tochter in tiefſter Verborgenheit lebe, um ſich Nachforſchungen zu entziehen, die ihr höchſt gefährlich werden könnten; ich ſchrieb darüber an Olfers, ſowie auch, daß ich Alles anwenden würde, der Sache auf die Spur zu kommen, gab mir auch alle erdenkliche Mühe, und als ich einen Faden gefunden, der mich dahin führte, wo jene Frau gewohnt, ſo war ſie verſchwunden und Niemand wußte, wohin ſie gegangen ſei.“
„Und konnteſt Du keine Schilderungen über Mutter und Tochter erhalten?“ 3
„O ja, aber ſie paßten nicht— hatte ich doch Frau Hildegard


