302 Vierundvierzigſtes Kapitel.
laubte ich mir, Herrn Walter auf heute Abend hieher einzuladen— habe ich es recht gemacht?“
„Vollkommen, mein Junge— eine größere und liebere Ueber⸗ raſchung hätteſt Du mir nicht bereiten können— ich ſage Dir, Walter, Rafael hat ſich ganz vortrefflich gemacht.“
„Das habe ich heute Mittag ſchon bemerkt und mich darüber gefreut— es war mir eine wahre Genugthuung, ihn ſo wiederzu⸗ finden— denn ich bin es doch eigentlich, der Talente in ihm ent⸗ deckte und ihn auf den richtigen Weg brachte, als dieſer Kerl da⸗ mals den einen heiligen Dreikönig malte— ah, wenn ich an jene Zeit denke!“
„Rafael iſt Mitarbeiter an einem hieſigen Journale von ſo rother Färbung, daß ich ihn leider nur verſtohlen ſehen kann.“
„Und Du?“ wandte ſich Walter an Rodenberg.„Ich hätte geglaubt, Dich anders wiederzuſehen, und war der feſten Meinung, Du erſchienſt nur in ſchwarzem Fracke, weißer Halsbinde und mit einem kleinen Bandladen im Knopfloche— wie wohl mir nun Dein Sammtrock thut, kann ich Dir gar nicht ſagen— nennt man Dich Excellenz oder gnädiger Herr?“
„Laß dieſe Scherze und trübe damit nicht unſern heiteren Abend. Nun will ich Dich aber auch einmal betrachten— er hat kaum gealtert, dieſer Walter, Dein Haar und Bart ſind etwas weißer ge⸗ worden— Dein Geſicht röther.“
„Das macht die ſcharfe Frühlingsluft.“
„Im Uebrigen ſiehſt Du ſo wohlhabend aus, wie ich's mir nur wünſchen kann.“
„Es iſt mir auch ganz gut gegangen— ich komme aus Italien, aus Rom, wo ich, ſtatt eigenhändig geringe Bilder zu malen, die Meiſterwerke der Alten nicht ſchlecht copirte, mir damit einen an⸗ ſtändigen Namen machte und viel Geld verdiente.“
„Das weiß ich— es war mir jedes Mal wie ein Gruß von Dir, wenn ich beim Prinzen Heinrich von Deinen vortrefflichen Copieen ſah; doch ſagte er mir, Du ſeieſt auf dem Wege nach


