Teil eines Werkes 
55. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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294 Vierundvierzigſtes Kapitel.

zeugt, daß der göttliche Funke der Kunſt, der in ihm lebe, wieder zu hellen Flammen aufſchlagen und ihm reichlich erſetzen werde, was er ſcheinbar verloren.

In dem Augenblicke, als Rodenberg über die Schwelle des Gaſthauſes ‚Zur goldenen Kanne treten wollte, ſah er Jemanden auf der Straße daher kommen, den ſein ſcharfes Auge ſogleich er⸗ kannte und der ihm zu keiner gelegeneren Zeit hätte erſcheinen können: es war Herr Eichner, der erſte Tenor des Hoftheaters, der, den Günſtling des Fürſten ebenfalls erkennend, mit einem ehrfurchts⸗ vollen Gruße vorübergehen wollte.

Guten Abend, Herr Eichner, rief ihm Rodenberg, ein paar Schritte entgegen tretend, zu;woher ſo ſpät des Weges in däm⸗ mernder Nacht?

Aus reinem Pflichtgefühle, Herr Rodenberg, gehe ich um dieſe Stunde aus, wo ich faſt ſicher ſein darf, von Niemandem er⸗ kannt zu werden ich ſtehe als unpäßlich auf dem Zeitel und darf mich deßhalb nicht am hellen Tage zeigen.

So ſind Sie krank?

Nur eine kleine Heiſerkeit, die mich vorgeſtern hinderte, den Raoul zu ſingen.

Und dann gehen Sie bei dieſem ſcharfen Oſtwinde aus und obendrein ohne cache-nez ah, wie leichtſinnig!

Der erſte Tenor lächelte auf eine eigenthümliche Art und ſagte:Streng genommen war ich nur für vorgeſtern heiſer, der Aerger war mir ein wenig in die Kehle gefahren: da haben ſie ein junges Ding engagirt und wollen ſie zur Probe die Valentine ſingen laſſen, die Valentine zur Probe, ich bitte Sie, Herr Ro⸗ denberg! Sie wird von oben herab protegirt. Natürlich machen ſich die nichts daraus, wenn ſo eine Probe mißlingt; aber Unſer⸗ einer, der dabei auf der Bühne ſteht, befindet ſich in einer ſcheuß⸗ lichen Lage morgen früh aber werde ich mich geſund melden, da es der Intendant dringend wünſcht.... Um am Sonntag den Gennaro zu ſingen?