Wohl eine Ueberraſchung iſt mein Kommen! 293
Und jetzt, wie konnte er noch daran zweifeln, daß Alles ſo kommen mußte, wie es gekommen— wie mußte er jetzt einſehen, daß ihre Härte Nothwendigkeit war, daß es ein Verbrechen geweſen wäre, wenn ſie ihm eine weitere Annäherung, ſei es auch nur eine ſchriftliche, geſtattet hätte!
Wenn er das bedachte, ſo athmete er leichter, als er in langen Jahren gethan in Erinnerung an jene ſchrecklich ſchöne Zeit, ſo konnte er nicht anders als unzählige Male ihren geliebten Namen ausſprechen mit der ganzen Gluth und Innigkeit einer neu erwachten Liebe— ſo war ſie wieder ſeine Juanita geworden, das ſchöne, glühende Weib, das ihn einſt beglückt, um dann auf ewig für ihn verloren zu ſein.
Wenn er davon träumte, ſo verſchwand das Herbe, das ſich bis jetzt beſtändig in die Erinnerung an ſie gemiſcht, und wie er jetzt auf ſeinem Wege durch die dunkeln Straßen ſanft glänzende Sterne über ſich flimmern ſah, ſo redete er ſie an mit dem geliebten Namen Juanita, und es war ihm, als ſähe er ihre ſüßen, leuch⸗ tenden Blicke.
„Ja, unerreichbar wie die Sterne war ſie jetzt für ihn ge⸗ worden, und das goß einen Troſt in ſein Herz, über den er hätte laut aufjubeln mögen— brauchte er doch jetzt nicht mehr in wahn⸗ ſinniger Haſt aufwärts zu klimmen, um ihr ſo einſtens vielleicht näher zu kommen; konnte er doch bewundernd und auch liebend zu ihr aufblicken, aus tiefem, beſcheidenem Thale eben ſo gut, als von der Höhe des Lebens.— Und wie ſehnte er ſich hinweg von dieſer Höhe, die mit anderen Höhen das gemeinſam hat, daß ſie immer öder und ſteiniger wird, je mehr man ſich dem Gipfel nähert, wo die Strahlen der Sonne wohl glänzen, aber nicht erwärmen!
Er befühlte ſeinen Sammtrock und ſeinen weichen Hut; er lachte herzlich in ſich hinein, als er an die Schadenfreude ſeiner Feinde dachte, die ſie ihm nicht verhehlen würden, wenn er wieder in dem beſcheidenen Thale angekommen, und daß er es eigentlich ſei, der alsdann ſchadenfroh zu lachen vermöge; denn er war über⸗


