Ich werde nicht mit Dir, Du Süße, rechten! 291
Der Fürſt machte ein paar haſtige Schritte durch das Zimmer, trat dann an's Fenſter und ſagte nach einer ziemlich langen Pauſe:„Gut, ich will das Blatt behalten; aber wird es Ihnen unangenehm ſein, wenn ich, daſſelbe benutzend, ſage, ich hätte es von Ihnen erhalten?“
Rodenberg hatte große Luſt, mit einem mitleidigen Lächeln die Achſeln zu zucken, doch unterließ er das aus leicht begreiflichen Gründen und ſagte nur in ziemlich kaltem Tone:„Ganz nach dem Belieben Eurer Königlichen Hoheit; denn wenn Sie mich auch nicht nennen würden, ſo würde man doch bei dem erſten Worte, welches Sie über dieſe An⸗ gelegenheit laut werden laſſen, ſogleich errathen, daß ich es ſei, der dieſe Fortſetzung vor Ihre Augen gebracht— etwas mehr oder weniger Haß von dieſer Seite iſt mir am Ende vollkommen gleichgültig!“
„Alſo bis morgen,“ ſagte der Fürſt zum Fenſter hinaus⸗ ſchauend, und ſetzte, ſich auch jetzt noch nicht umwendend, hinzu: „Sie halten wohl keine Probe der lebenden Bilder mehr?“
„Ich glaube, es iſt unnöthig.“
„Alſo bis morgen oder übermorgen!“—
Es war eigenthümlich, aber bei der Gemüthsſtimmung Roden⸗ berg's leicht begreiflich, wie er ſo gar nicht darüber nachdachte, daß ihn der Fürſt etwas ungnädig entlaſſen— ja, daß er nach einem kurzen Abſchiede von Herrn Mathieu, durch die langen Gänge des Schloſſes ſchreitend, im nächſten Augenblicke ſogar die ganze Unter⸗ redung völlig vergaß und ſich mit ganz anderen, ihm für den Augenblick viel wichtigeren Dingen beſchäftigte— mit ihr— mit ſeiner glücklichen Vergangenheit.
War es ihm doch, als habe er bis jetzt lange Jahre hindurch in tiefer, unerquicklicher Nacht gewandelt und als bräche jetzt auf einmal in ſein kaltes, düſteres Leben wieder ein hellleuchtender Strahl einer aufſteigenden, hoffnungsreichen Morgenſonne, ſondern vielmehr das rothglühende, faſt traurig ſcheinende Licht des ſinken⸗ den Tagesgeſtirns, wenn es, faſt verlöſchend unter ſchweren Wolken, noch einmal über dem Rande des Horizontes wehmüthig lächelnd in unſere Augen zuckt, ehe es für immer verſchwindet!


