290 Dreiundvierzigſtes Kapitel.
intrigante Hofdamen und vor allen Dingen der ſtarke Geiſt der höchſten Dame des Landes!“
„Ah, ich verſtehe— und wenn ich mich recht lebhaft in die Verhältniſſe hineindenke, ſo muß ich Ihnen im Vertrauen geſtehen, daß die Fortſetzung dieſer abſcheulichen Artikel allerdings nicht ganz die Unwahrheit ſpricht, daß man in der That Verſuche macht, mich zu lenken und mich zu veranlaſſen, ſo oder ſo zu handeln, wenn ich eigentlich ganz anders gewollt!“
„Doch nur in Kleinigkeiten, denn was wichtige Dinge anbelangt, ſo handeln Eure Königliche Hoheit ſteis nach eigener Entſchließung!“
„Ich ſchmeichle mir damit, aber ich will auch nicht, daß man mich in kleinen Dingen lächerlich machen ſoll, und das bezweckt dieſer abſcheuliche Artikel!“
„Den man ſich deßhalb wohl hütete, vor die Augen Eurer Königlichen Hoheit zu bringen, wie man es ſo bereitwillig mit ſeinen beiden Vorläufern gethan. Auch gibt er einige pikante No⸗ tizen, wie vortrefflich jene kleinen Machthaber im Rohre zu ſitzen verſtehen und ſich dort allerliebſte Pfeifen zuſchneiden, wie ſie durch⸗ aus nicht blöde ſind, die Stufenleiter der Ehren und Würden im Sturmſchritte zu erklettern, und wie wohl es ihnen iſt unter dem ſanften Regen von bedeutenden Stellen, Orden und Geſchenken aller Art, der auf ſie herabrieſelt!— Darf ich mir wohl erlauben, das Blatt in den Händen Eurer Königlichen Hoheit zu laſſen? Der Artikel in demſelben geht nachher auch auf das Theater, auf Künſt⸗ ler und Kunſtbeſtrebungen über und will zeigen, wie auch hier die oben genannte Camarilla ihre Kreaturen emporhebt und zur Gel⸗ tung bringt, wie es durchaus nicht darauf ankomme, Talente und Fähigkeiten zu beſitzen, ſondern wie es nur einer gewichtigen Em⸗ pfehlung bedürfe, um auch ohne künſtleriſche Befähigung zu einer bedeutenden Stellung zu gelangen, und wie wahre Künſtler nur dann zur Geltung kommen, wenn ſie es verſtehen, mit gekrümmtem Rücken den Unterthänigen zu ſpielen und den Schooßhund irgend einer gnädigen Frau zu liebkoſen.“


