284 Dreiundvierzigſtes Kapitel.
„So deutlich, wie ich jetzt Sie höre.“
„Nun, dann hörten Sie auch noch Anderes, was ich in dieſem Falle bitte, mir nicht vorzuenthalten, ſonſt wiſſen Sie wohl, bin ich nicht neugierig.“
„Der Herr Staatsrath berichteten Seiner Hoheit über Schle⸗ gel, nannten ihn einen gefährlichen Menſchen, der, wie man jetzt ganz genau wiſſe, mit dem Redakteur der Zeitſchrift Biene in ge⸗ nauer Verbindung ſtehe— Sie kennen die Biene, Herr Rodenberg?“
„Allerdings, kenne ich ſie und leſe ſie mit großem Vergnügen.“
„Dieſes Blatt ſoll ſich heftige Ausfälle gegen die Perſon Seiner Königlichen Hoheit und über Allerhöchſtdeſſelben Regierungs⸗ handlungen erlaubt haben— ſo berichteten der Herr Staatsrath und legten ſogar ein paar Nummern des Blattes Seiner Hoheit vor.“
„Wie kann man aber Schlegel damit zuſammenbringen? Und wenn er wirklich den Redacteur kennt, ſo bin ich feſt überzeugt, er ſpricht nie mit ihm über ſolche Dinge— Schlegel denkt nur an ſeine Kunſt, weiß von dem Fürſten ſo gut wie gar nichts und von deſſen Regierungshandlungen noch weniger— ja, wenn die bewußten Artikel über Kunſt und Künſtler ſprächen, über Verſchö⸗ nerungen von Gärten und Paläſten, über unſere Neubauten, über das Theater, da würde ich Schlegel am Ende ſchon zutrauen, daß er einen Artikel durch ein ſchonungsloſes Wort pikanter gemacht hätte — aber da fällt mir etwas ein— ah, mir flammt ein helles Licht auf— gewiß iſt es das Feuilleton der letzten Nummer der Biene, das der Clique unſeres freundlichen Staatsrathes ſo ſehr in die Naſe gefahren iſt— habe ich die Nummer nicht bei mir?— Ja, da iſt ſie, und ſoll mir trefflich dienen!“
Der Kammerdiener ſah ihn fragend an.
„Nicht ſchlecht ausgedacht— meinen armen Schlegel bei dem Fürſten zu verdächtigen, als treibe dieſer eingefleiſchte Künſtler und Kunſtenthuſiaſt, der ſich um ſonſt nichts bekümmert, ſchnöde Politik, und wie ſie, um mehrere Fliegen mit einem Schlage zu treffen, ihn um ſeine Anſtellung zu bringen, mich zu verdächtigen und an


