Ich werde nicht mit Dir, Du Süße, rechten! 283
rufen laſſen, jetzt unterhalten ſich der Herr Staatsrath im Vor⸗ zimmer mit dem dienſtthuenden Kammerherrn⸗ Freiherrn von Schenk auf höchſt angenehme, ſehr animirte und vergnügte Art.“
„A— a— a— ahl“ machte Rodenberg, aufmerkſam werdend, denn er wußte, daß die beiden eben genannten Herren durchaus nicht zu ſeinen guten Freunden zählten—„gehen wir durch das kleine gelbe Zimmer!“
Sie verließen das Gemach, in dem Sie ſich befanden und tra⸗ ten in einen langen und leeren Corridor. Hier blieb der Kam⸗ merdiener, nachdem er vorſichtig um ſich her geſchaut, ſtehen und ſagte flüſternd zu ſeinem Begleiter:„Ich danke Ihnen, Herr Ro⸗ denberg für Ihre freundliche Protektion meines Anverwandten, Schlegel's nämlich— des Decorationsmalers Schlegel, dem Sie, wie ja ſchon ſo Vielen, zu einer guten Anſtellung verhelfen werden!“
„Das bedarf gar keines Dankes, mein lieber Herr Mathieu — ich habe Schlegel empfohlen, weil ich ihn als einen ansgezeich⸗ neten Künſtler kenne, und ohne zu wiſſen, daß er überhaupt ir⸗ gend Jemandes Vetter iſt.“
„Ich konnte mich dieſes Dankes nicht enthalten, obgleich ich Ihnen Wichtigeres mitzutheilen habe, was aber ebenfalls Schlegel betrifft— ich brauche Ihnen wohl nicht zu ſagen, daß man Alles daran ſetzen will, um ihn zu der gewünſchten Anſtellung nicht gelangen zu laſſen.“
„Ich weiß das, aber der Fürſt hat ſie ihm verſprochen.“
Der Kammerdiener ſah Rodenberg mit einem ganz eigenthüm⸗ lichen Blicke an; es lag etwas wehmüthig oder mitleidig Lächelndes darin; dann ſagte er mit noch leiſerer Stimme:„Verſprochen allerdings, aber Sie wiſſen eben ſo gut, wie ich, daß der zuletzt Kommende gewöhnlich Recht behält!“
„A—ah, und der zuletzt Gekommene war der Staatsrath von Stumpfenfels?“
„Leider, Herr Rodenberg, und ich hörte Seine Hoheit deutlich ſagen: ‚Ah, wenn dieſer Schlegel ein ſolcher Monſieur iſt, ſo werde ich mich doppelt beſinnen!“
„Das hörten Sie, Herr Mathieu?“ fragte der junge Maler lächelnd.


