Teil eines Werkes 
55. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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282 Dreiundvierzigſtes Kapitel.

aber er wandelte wie im Traume— wie hatte er während des letzten Theiles ſeiner Unterredung mit dem Prinzen Heinrich ſeine Gedanken gewaltſam zuſammenhalten müſſen, um nicht vielleicht eine ganz unpaſſende Antwort zu geben! Wie athmete er tief auf, als ſich nun die Thür hinter ihm ſchloß und er über das Unerhörte, was man ihm mitgetheilt, wenigſtens einige Minuten ruhig nachdenken konnte!

Juanita verheirathet— damals ſchon verheirathet, als er ſie in den luſtigen Carnevalstagen geſehen— ja früher ſchon, als ſie ihm, ſich ſelbſt eine Waldfee nennend, erſchienen war!— Daher das neckiſche Spiel, welches man mit ihm getrieben, daher die arg⸗ loſe Zuverſicht, mit der ſie ihn angezogen und wieder abgeſtoßen,

daher in dieſem Augenblicke ihr heiteres Sichgehenlaſſen, ihr herz⸗ liches Annähern, um im nächſten Momente, wie alles das wieder

vergeſſen habend, ihn faſt verwundert wie einen förmlichen Fremden zu betrachten— daher das Aufſuchen der Gefahr, die ſie wohl in ihrem ganzen Umfange nicht kannte, und daher ihr wilder, ſchreckens⸗ voller Aufſchrei— als es zu ſpät war!

Der junge Mann hatte ſich jetzt durch eine Reihe leerſtehender Zimmer den Gemächern des Fürſten genähert und brauchte nur noch den Salon zu durchſchreiten, wo die täglichen Rapporte abgegeben wurden und ſich die Miniſter aufzuhalten pflegten, ehe ſie in das Kabinet des Fürſten gerufen wurden, da traf er an der Thür zu dieſem Salon auf den erſten Kammerdiener Seiner Kö⸗ niglichen Hoheit, Herrn Mathieu, der zwiſchen den ſchweren Thür⸗ vorhängen hervor, wie aus der Wand gekommen, plötzlich auf ihn zutrat und ihm mit ſeinem gewöhnlichen, leiſen, gefälligen Tone

ſagte:„Herr Rodenberg werden es vielleicht vorziehen, heute den

Weg durch das kleine gelbe Vorzimmer zu nehmen?“

„Und warum, mein lieber Herr Mathieu?“

„Weil ich weiß, daß es Ihnen nicht angenehm iſt, mit dem Staatsrathe von Stumpfenfels im Vorzimmer zuſammenzutreffen — der Herr Staatsrath waren bei Seiner Königlichen Hoheit, berichteten Alleerhöchſtdemſelben etwas, und dann mußte ich Sie