Ich werde nicht mit Dir, Du Süße, rechten! 281
„So halten mich Eure Hoheit für glücklich?“
„Annähernd ja— Sie haben eine höchſt angenehme Stellung, Sie haben Macht ohne Verantwortung, Sie ſind einer der Günſtlinge des Fürſten und doch dabei Künſtler geblieben— nur mit dem für Sie ſehr angenehmen und belohnenden Unterſchiede, daß Sie Ihre Entwürfe und Pläne, welche Sie früher nur dem Papier anver⸗ trauen durften, jetzt in Wirklichkeit ausführen können.“
Rodenberg ſchaute den Prinzen mit einem langen Blicke und einem eigenthümlichen Lächeln an, dann erwiederte er fragend: „Halten mich Eure Hoheit in der That für glücklich? Trauen Sie mir nicht das volle Bewußtſein zu, an einem tiefen Abgrunde zu wandeln, in den mich ein einziger unvorſichtiger Schritt hineinſtürzen muß?“
„Es iſt gut, daß Sie Ihre Lage kennen, wenigſtens werden Sie nicht unvorbereitet ſtürzen und ſo, daß Sie, unten angelangt, wieder auf Ihre Füße zu ſtehen kommen: in dieſem ſchlimmſten Falle haben Sie eine höchſt intereſſante Epiſode hinter ſich und Manches gelernt— doch wir ſind von unſerem Geſprächsthema abgewichen, die Vermählung des Fürſten betreffend, und daß es bei derſelben allerdings Veränderungen, und große Veränderungen geben wird, darüber wollen wir uns nicht täuſchen laſſen— vor allen Dingen müſſen Sie, mein lieber Rodenberg, an dem bewußten Ab⸗ grund noch bewußter wandeln, als Sie bisher ſchon gethan— komme aber, was kommen mag, ſo ſollen Sie erfahren, daß Sie an mir einen treuen und aufrichtigen Freund haben!“
Nach dieſen Worten reichte der Prinz dem jungen Maler ſeine Hand, und da er dazu ſehr bezeichnend mit dem Kopfe nickte, ſo erhob ſich Rodenberg und verließ nach einem herzlich ausgeſproche⸗
nen Danke das kleine Cabinet.
Draußen im Vorzimmer erwartete ihn einer der Kammer⸗ Lakaien des regierenden Fürſten, um ihn vor der Tafel, die um ſechs Uhr Statt fand, noch zu dieſem zu beſcheiden.
Rodenberg durchſchritt das Schloß ſeiner ganzen Länge nach, Hackländer's Werke. 55. Bd. 19


