Teil eines Werkes 
55. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Ich werde nicht mit Dir, Du Süße, rechten! 279

da ſie die Bühne nicht mehr betreten zu wollen ſcheint— he, mein

junger Freund, was ſagt Ihr Herz dazu?“

„Mein Herz hat ſo lange geſchwiegen,“ erwiederte Rodenberg

1 mit einem trüben Lächeln,„daß ich überhaupt nicht weiß, ob es nicht ganz die Sprache der Liebe verloren hat— dann ſagten mir Eure Hoheit ja auch, die Marcheſa ſei verheirathet.“

„Schäker— das iſt allenfalls ein Grund für mich, aber nicht für Sie....

Rodenberg fühlte, wie dieſe harmlos ausgeſprochenen Worte tief ſchneidend, ſchmerzend in ſeine Seele drangen, und ein wilder Ausruf aus verfloſſener Zeit, der nur noch in Stunden ſchwerer Traurigkeit aus der Vergangenheit herüber tönte oder vielleicht in ſeltenen Fällen in Flammenſchrift ſichtbar ſeine wirren Träume beunruhigte, klang auf einmal wieder in ihm hell und lebendig: „Fürchten Sie meinen Dolch!“

„Ich weiß, daß die Marcheſa Ihnen zugethan war, und glauben Sie mir, ich war anſtändig genug, keinen Neid darüber zu empfinden.“

„Alſo Eure Hoheit glauben, ſie komme hieher?“ fragte der junge Mann wie aus einem tiefen Traume auffahrend.

„Ohne allen Zweifel.“

„Mit— Don Joſe?“

„Mit ihrem Gemahl, allerdings, und wenn ich mein altes Herz frage, ſo iſt daſſelbe ſo ruhig geworden, um ſich in Erwartung der Marcheſa auf einen ſeltenen Kunſtgenuß zu freuen. Daneben wollen wir von vergangener Zeit plaudern und recht herzlich über unſere 8 Jugendthorheiten lachen— Sie doch auch, Rodenberg?“

„Ich weiß das noch nicht ganz genau, ob ich lachen oder— nicht lachen werde; ehrlich geſagt,“ fuhr er mit leiſer Stimme fort, „iſt dieſe wunderbare Sängerin für mich immer noch eine Sirene, und wenn ich kann, werde ich ihrem Zaubergeſange fern bleiben.“

Der Prinz hatte abermals die Hände gefaltet und bhlickte nach⸗ ſinnend auf ſeine Daumen, welche die erfolgloſe Jagd um ſich