Teil eines Werkes 
55. Bd. (1873) Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

278 Dreiundvierzigſtes Kapitel.

„Sie ſind ſehr ungläubig, lieber Rodenberg— das macht Ihr glückliches Alter— auf der einen Seite leichtgläͤubig bis zum Ex⸗ ceß, auf der anderen das nicht glaubend, was wir mit Händen greifen können.— Es wundert Sie wohl,“ fuhr der Prinz nach einer kleinen Pauſe fort,„daß ich bis jetzt nie mit Ihnen darüber ſprach— wozu auch? Sie erwähnten nie des Namens unſerer reizenden Zaubererin, und deßhalb ſchwieg ich aus Zartgefühl, denn Sie werden mir nicht läugnen, daß Sie ſehr verliebt in die Marcheſa waren.“

„Ich läugne es nicht, und da ich es nicht thue, ſo werden mir Eure Hoheit verzeihen, daß ich nochmals im Tone des Zweifels frage, ob Sie wirklich überzeugt ſind, daß Sennora Juanita mit Don Joſe verheirathet war.“

„So überzeugt, als daß Sie vor mir ſitzen— aber ich hätte vielleicht auch jetzt noch nicht darüber geſprochen, wenn die Marcheſa, die für mich, vielleicht glücklicher Weiſe, ſo lange Jahre unſichtbar blieb, in ihrer raſtloſen, kometenartigen Künſtlerlaufbahn jetzt nicht wieder als ein Stern erſter Größe an unſerem Horizonte auf⸗ zudämmern drohte.“

„Wie ſoll ich das verſtehen?“ fragte Rodenberg in einem Tone des Erſchreckens, wie es unſer Herz bewegt, wenn wir uns vor einem Glücke, einer Freude fürchten.

„Auf die einfachſte Weiſe von der Welt— mein Neffe, unſer allergnädigſter Fürſt und Herr, der, wie Sie eben ſo gut als ich wiſſen, für das Theater außerordentlich eingenommen iſt, hat durch ſeinen Geſandten ſchon ſeit langer Zeit die Marcheſa de Monterey zu einem Gaſtſpiele einladen laſſen, was aber die vornehme Dame und große Künſtlerin bis jetzt dankend ablehnte, da ſie in anderen kleinen Städten, wie London, Paris, Petersburg, New⸗York, zu ſehr beſchäſtigt war.“.

„Und jetzt?“ fragte Rodenberg in athemloſer Spannung.

„Scheint ſie dem hartnäckigen Erſuchen, ja, Bitten nachgeben zu wollen, um uns hier zu beglücken; doch nur als Concertſängerin,