Ich werde nicht mit Dir, Du Süße, rechten! 277
„Den ſie ablehnte?“ licher Spannung.
„Ja, den ſie ablehnte— weil ich zu ſpät kam.“
„A— a— a-—ah, weil Sie zu ſpät kamen— und wie iſt das wohl zu verſtehen?— liebte denn Sennora bereits einen Anderen?“
„Das glaube ich nicht, dazu hatte es nicht den Anſchein.“
„Oder hatte ſie bereits ihr Wort gegeben?“
„Mehr als das— ich kam zu ſpät, da die Marcheſa bereits verheirathet war.“
Glücklicher Weiſe war Rodenberg auf etwas ganz Außer⸗ ordentliches gefaßt und konnte deßhalb ohne einen Ausbruch des grenzenloſeſten Erſtaunens die eben geſagten Worte anhören, welche ſein Gegenüber ausſprach und ihn dabei ruhig und nicht einmal forſchend betrachtete. Nur glaubte der junge Mann zu fühlen, daß er auf eine Secunde furchtbar erbleichte und daß ihm im nächſten Augenblicke das Blut gewaltſam zum Kopfe ſtieg.
„Das überraſcht Sie einiger Maßen,“ fuhr der Prinz, mild lächelnd, fort—„ging es mir doch im erſten Augenblicke eben ſo; doch muß ich geſtehen, daß ich halb und halb darauf vorbereitet war und daß mir das Verhältniß der ſchönen Sennora mit ihrem ehrwürdigen Begleiter beim näheren Betrachten etwas anders er⸗
ſchien, als ein Verhältniß zwiſchen Oheim und Nichte.“
„Oheim und Nichte,“ murmelte Rodenberg, dieſe Worte müh⸗ ſam nachſprechend—„ſollten Eure Hoheit nicht irren?— Es wäre ja entſetzlich!“
„Entſetzlich fand ich es gerade nicht, nur erſchien es mir da⸗ mals recht ſtörend— recht unangenehm eingreifend in meine Plane; doch habe ich mich getröſtet, und wenn ich mich jetzt betrachte und bei mir denke, wie weit während der letzten vergangenen Jahre ihr Alter und das meinige aus einander gegangen wäre, ſo glaube ich, dem Schickſale ſogar danken zu dürfen.“
„Verheirathet— die Marcheſa mit Don Joſe?— Ah, un⸗ möglich!“
fragte der junge Maler in unbeſchreib⸗


