Teil eines Werkes 
55. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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276 Dreiundvierzigſtes Kapitel.

Sie gern, lieber Rodenberg, ich läugne das vor Niemanden und ſpreche es ſo oft und öffentlich aus, als mir nur möglich iſt; Sie haben vortreffliche Eigenſchaften, Sie ſind anhänglich und dankbar. Doch iſt es das nicht allein, was mich zu Ihnen hinzieht— wenn ich Sie ſehe, wenn ich mit Ihnen ſpreche, ſo tritt die Zeit, wo ich Sie kennen lernte, mit einer ſo friſchen Lebendigkeit vor mich hin, daß ich auffahre und ſuchend um mich her ſchaue, um— um Je⸗ manden anders zu finden— Sie verſtehen mich.“

„Gewiß— gewiß.“

„Eigenthümlich, lieber Rodenberg, daß wir uns damals in dem gleichen Gefühle trafen, Sie, der ganz junge Mann, ich ſchon in vorgerücktem Alter— noch ſonderbarer aber, daß ich damals Ihr Gefühl ſchon erkannte— ohne eiferſüchtig zu ſein— bei Gott, ich war nicht eiferſüchtig, obgleich ich dieſes ſonderbare Geſchöpf liebte, wie ich früher oder ſpäter niemals mehr etwas geliebt, und das, glaube ich, war und iſt bei Ihnen der gleiche Fall.“

„Es war und iſt bei mir der gleiche Fall.“

„Ah, jene Zeit,“ rief der Prinz mit einem Blicke des Glückes, „wie war ſie ſo ſchön— ich fühlte, daß ich noch lieben konnte, daß ich noch hätte glücklich ſein können— wenn— wenn— das überhaupt möglich geweſen wäre?“

„Und warum hätte eß nicht möglich ſein können?“ fragte Ro⸗ denberg mit leiſer Stimme und forſchendem Blicke, nachdem er langſam und ſchwer geathinet.

„Weil— weil— werden Sie es glauben, wenn ich Ihnen ſage, daß ich damals die feſte Abſicht hatte, mich mit jenem wunderbaren Weſen dauernd zu verbinden— daß ich die erſten Schritte dazu that?“

Rodenberg zuckte unwillkürlich zuſammen.

„Was wollen Sie?— Sie war eine Marcheſa de Monterey, von einem alten, ſehr vornehmen Hauſe, und ich frei und unab⸗ hängig genug, um eine morganatiſche Ehe mit ihr ohne große Schwierigkeiten eingehen zu können— wie geſagt, ich that Schritte dazu— ich ließ ihr einen Vorſchlag machen.“