Teil eines Werkes 
55. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Ich werde nicht mit Dir, Du Süße, rechten!

ſchäftigt— ich dachte an Ihr Wohlwollen, Ihre Güte, die Sie mir ſtets bewieſen, an die vortrefflichen Rathſchläge, ſowie auch an die Warnungen, welche Sie mir ertheilt.“

„Ah ja, ah ja, daran dachten Sie alſo— Sie ſind ein dank⸗ bares Gemüth; und ich träumte von dergleichen— ein Traum, der viel Wahrheit enthielt,“ ſetzte er ſeufzend hinzu—„mir träumte, ich ſei alt geworden, ſehr, ſehr alt, oder noch beſſer geſagt, mir träumte, ich ſei das geworden, wo man aufhört alt oder jung zu ſein.“

„Verſtehe ich Eure Hoheit recht, ſo hatten Sie einen Traum, der ein langes Leben verheißt.“

„Man ſagt ſo,“ erwiederte der Prinz kopfnickend;„aber daß ich recht alt geworden bin, erkenne ich daraus, daß ich in Ihrer Gegenwart einſchlief— enſchuldigen Sie mich!“

„Bedürfen Eure Hoheit eines ſolchen Wortes gegen mich?“ fragte Rodenberg in einem faſt vorwurfsvollen Tone.„Und es iſt doch ſo begreiflich, daß Sie ermüdet ſind— Sie ſtehen ſo früh auf, Sie haben gewiß einen langen Spazirritt gemacht, viel ge⸗ arbeitet, und dann die Probe lebender Bilder— der dunkle Saal, das macht unwillkürlich ſchläfrig.“

„Sie find ſehr freundlich, und es fällt mir ja auch nicht ein, vor Ihnen mein Alter abläugnen zu wollen— aber ich habe in der That von Ihnen geträumt, einen für uns Beide nicht ſehr an⸗ genehmen Traum— ich war nicht mehr im Stande, Ihnen nütz⸗ lich zu ſein— meine Hand über Ihr Haupt halten zu können— wie ich ſo gern thue,“ ſagte der Prinz mit weicher Stimme— „und da kam Alles ſo, wie ich es gefürchtet— doch beſſer, wir reden jetzt nicht mehr darüber— es war ja nur ein Traum.“

„Gewiß; doch beweist mir auch dieſes Leben im Traume, wie freundlich ſich Eure Hoheit mit mir beſchäftigen.“

Der Prinz hatte ſich wieder in die Ecke des Divans zurück⸗ gelehnt, hielt ſeine Hände gefaltet, und während er einen Daumen um den anderen herumgehen ließ, betrachtete er den jungen Mann

nnit einem langen, freundlichen Blicke, ehe er ſprach:„Ich habe