274 Dreiundvierzigſtes Kapitel.
ſache, um ſich auf unrechtmäßige Weiſe ein großes Vermögen zu ſammeln.“
„Schändlich, abſcheulich!“ hatte Rodenberg geantwortet und dann mit bitterem Lächeln hinzugeſetzt:„Leider vermag ich nur zu gut zu beweiſen, daß, wenn ich heute den Dienſt Seiner König⸗ lichen Hoheit des Fürſten verlaſſe, meine erſte und ſehr ſchwere Sorge ſein muß, die Schulden zu bezahlen, welche ich während dieſer Dienſtzeit gemacht.“
„Aber was der Pöbel, vornehmer und geringer, über derglei⸗ chen Dinge ſpricht,“ hatte der Prinz entgegnet,„eben ſo, was Ihre Schulden anbelangt, das ſind lauter Kleinigkeiten, die hier nicht in Betracht komm en; doch wovor ich Sie nochmals mit vollem Recht warne, das iſt die Klippe, von der ich Ihnen vorhin ſprach, das iſt der Vorwurf, den man Ihnen, und gewiß mit Unrecht, machen wird, durch Anleitung zu Ausſchweifungen aller Art auf das Leben des Fürſten eingewirkt zu haben.“ 8
„Daß dieſer Vorwurf eine infame Lüge iſt, wird der Fürſt glänzend beweiſen.“
„Und wenn er dieſen Beweis glänzend ſchuldig bleibt?“
„So iſt er edel und hochherzig genug, zu ſagen:„Rodenberg war mir bei meinen erlaubten Phantaſieen nützlich und behülflich — wir haben als junge Leute heiter und vergnügt zuſammen ge⸗ lebt, wir haben die Kunſt gepflegt und dadurch Künſtler in jeder Rich⸗ tung unterſtützt— wir haben allerdings dabei viel Geld ausgegeben, aber auch Schönes geſchaffen— wer aber behaupten wollte, Rodenberg habe mich zu unerlaubten Handlungen, zu Ausſchweifungen verleitet oder auch nur verleiten wollen, iſt ein ſehr ehrloſer Verleumder und Lügner!— ſo wird der Fürſt reden, und ſo muß er reden.“
In dieſem Augenblicke erwachte Prinz Heinrich und ſchaute ſein Gegenüber mit einem matten und erſtaunten Lächeln an; dann fuhr er mit der Hand über ſeine Stirn und fragte:„Sprachen Sie ſo eben zu mir, lieber Rodenberg, oder hat mir das nur geträumt?“
„Meine Gedanken waren wenigſtens mit Eurer Hoheit be⸗


