Teil eines Werkes 
55. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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24 Vierunddreißigſtes Kapitel.

und Heiterkeit, überall Scherz und Lachen; alle Straßen und Plätze ſo dicht mit Menſchen bedeckt, daß man nicht begreift, wie es eine halbe Stunde ſpäter der große Maskenzug machen ſoll, ſich einen Weg durch dieſes unbeſchreibliche Gewühl zu bahnen.

Der Neumarkt, am weſtlichen Ende der Stadt gelegen, iſt der größte und ſchönſte Platz der Stadt; er iſt unbepflaſtert, rings mit Bäumen reich beſetzt, etwas erhöht gelegen und ſowohl auf ſeinen vier Seiten, als auch auf ſeinen vier Ecken münden Haupt⸗ und Verkehrsſtraßen der Stadt; er iſt alſo außerordentlich zugänglich, was beſonders heute, wo er zum Verſammlungsorte der großen Maskenzüge dient, von beſonderer Wichtigkeit iſt.

Für den heutigen Tag iſt er auf allen Seiten durch leichte Schranken abgeſperrt, und nur im Oſten und Weſten ſind breite, aber bewachte Eingänge offen gelaſſen, um die Carnevalszüge ein⸗ zulaſſen. Unter dem Schutze dieſer Carnevalswachen, meiſtens dem tapfern Funkenheere entnommen, wird hier ein Wegzoll entrichtet für Alle, die nicht zu dem Zuge gehören, welche den Neumarkt betreten wollen, um ſich die großartige Maskerade in nächſter Nähe anzu⸗ ſehen. Es iſt aber auch der Mühe werth, hier in dieſem Central⸗ punkte des kölner Faſchingslebens die einzelnen Maskenzüge an⸗ kommen zu ſehen und das luſtige Leben und Treiben der Ver⸗ mummten zu Fuße, zu Pferde und zu Wagen zu beobachten.

Bei dem heitern, blauen Himmel und dem behaglichen Sonnen⸗ ſcheine könnte man faſt glauben, auf dem Marcusplatze in Venedig zu ſein, ja, in einem koloſſalen Ballſaale, wo ſich Unzählbare zu einem glänzenden Maskenfeſte vereinigen, umringt und umjubelt von Tauſenden und abermals Tauſenden von Zuſchauern.

Wenn auch der Neumarkt Kölns nicht mit ſolch prächtigen Gebäuden umgeben iſt, wie der Platz des heiligen Marcus, wenn ihm auch der wundervolle Hintergrund jener maleriſch ſchönen Ka⸗ thedrale und der ſtolz aufſteigende Glockenthurm fehlt, ſo hat da⸗

gegen der Neumarkt die Zierde der hochſtämmigen, allerdings jett

entlaubten Bäume, ſowie den Anblick anſehnlicher alterthümlich