Der Narrheit Reich iſt neu begründet!
85 Häuſer, auch der ſchlanken Thürme der Kirche von St. Apoſteln, und nicht zu vergeſſen eine Merkwürdigkeit Kölns, die rieſenhaften Köpfe der beiden bekannten Schimmel, welche dort aus dem Söller⸗ fenſter auf die Straße hinabſchauen.
Wir haben den Neumarkt ſo früh erreicht, daß wir uns dort mit aller Behaglichkeit umſchauen und bewegen können, bis die Maskenzüge nach und nach eintreffen. An der öſtlichen Seite des Platzes ſehen wir eine Tribüne aufgeſchlagen, mit weiß und rothen Fahnen decorirt, und überhaupt von einer Menge von Standarten mit den Farben aller der Länder, die geſonnen ſind, ihre Diplo⸗ maten hieher zur Gecken⸗Verſammlung und zu einem Verſöhnungs⸗ Congreſſe zu ſchicken— ja, wie ſchon geſtern der Präſident der General⸗Verſammlung kund und zu wiſſen that, ſo ſollen Friedens⸗ unterhandlungen angebahnt und alles Mögliche zur Ausſöhnung der feindlichen Parteien verſucht werden, ehe man zum Schwerte und zur Pritſche greife.
Auch hier haben die Funken eine Ehrenwache gegeben, und der Poſten vor dem Gewehre, der vor der Tribüne ſteht, hat ſeine alte
Muskete neben ſich an das Geländer gelehnt und ſtrickt an einem ungeheuren Strumpfe. Nicht weit davon ſehen wir das Hauptquartier der Funken, ihre Wachſtube, ihr Arreſtlokal, die Marketenderin mit ihrem Eſel und den Commandanten dieſer alten, ehrbedürftigen Schaar auf einer Trommel ſitzend und ein kleines Frühſtück zu ſich nehmend. Da die Funken, wie es ſich von ſelbſt verſteht, die Erſten auf dem Platze ſind, ſo vereinigt ſich in ihnen die Auf⸗ merkſamkeit der Zuſchauermaſſe rings umher, und ſind ſie bis jetzt die alleinige Zielſcheibe des ſpitzigen Witzes aller kölniſchen Jungen, was ſie aber mit doppelten Zinſen heimzahlen oder mit dem Aus⸗ drucke der Verachtung zurückweiſen.
Von allen Kirchthürmen hat
es zehn Uhr geſchlagen, die Stunde, wo ſich ſ
ämmtliche Züge nach dem Neumarkte in Bewegung erklang indeſſen der Ruf aus
ſetzen werden, und ſchon hundertmal Hackländer's Werke. 55. Bd.


