XXXIV.
„Der Narrheit Reich iſt neu begründet!“
Inzwiſchen hatte in den Straßen der alten Colonia ein ganz außerordentliches Leben begonnen. Die von der Sonne freundlich beglänzten Straßen füllten ſich mehr und mehr mit Menſchen an, und die Vorderſeiten der alten, grauen Häuſer begannen ſich ſo heiter als möglich zu ſchmücken— hier mit luſtig lachenden Mädchenköpfen in den offenen Fenſtern, von denen eine oder die andere eine klingelnde Schellenkappe auf die blonden Locken gedrückt hatte, dort mit farbigen Kiſſen, um beim Zuſchauen die Arme darauf zu legen, auch mit bunten Teppichen zum gleichen Zwecke; dazwiſchen ſah man Fähnchen in Weiß und Roth oder Gelb und Grün; auch bemerkte man jetzt auf der Straße zwiſchen der Menſchen⸗ menge einzelne Masken, ernſthaft ausſehende Männer in langen, dunkeln Damaſtröcken aus dem vorigen Jahrhundert, mit un⸗ geheuren Vatermördern und wehenden Jabots, das kleine Hütchen auf der weißen Perrücke, ein großes Buch unter dem Arme. Tief nachſinnend gehen ſie daher, um vielleicht dicht vor einer Truppe ihnen begegnender junger Damen ſo plötzlich und furchtbar zu ſtolpern, daß dieſe mit einem lauten Schrei aus einander fahren. Zuweilen bleiben ſie auch vor einem Hauſe ſtehen, öffnen ihr Buch, drohen einer hartherzigen Schönen mit einem gefährlichen Proceſſe, oder declamiren ihr mit großem Pathos ein melancholiſches Liebes⸗


