Teil eines Werkes 
55. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Allen wohl und Niemand weh! 15

durch Ausſtellung von Wachen, ſowie durch Schleichpatrouillen in alle bekannten Wirthshäuſer der Umgegend jene militäriſchea Vorſichtsmaßregeln, welche in der Nähe eines ſo ſtarken und gefähr⸗ lichen Feindes niemals außer Acht gelaſſen werden ſollten.

Durch den glückverheißenden Einzug des Vortrabs der Hülfs⸗ truppen hatte ſich denn auch die Stimmung der bedrängten Bürger⸗ ſchaft beträchtlich gehoben, und man ſah dies am deutlichſten in der letzten General⸗Verſammlung aller Carnevalsfreunde, deren Sitzungen heute, mit dem Faſchings⸗Sonntage, ihr Ende erreichten.

Und der Montag kam der Carnevals⸗Montag der Roſen⸗ Montag; ein Name, nicht abzuleiten von Roſe, der duftigen Blume, ſondern von dem altdeutſchen Raſen, was hier, in Verbindung mit dem Namen des Wochentages, deutlich den Charakter deſſelben anzeigt.

Wenn auch unſere Freunde nicht wie damals, als es galt, ſich zu dem Künſtlerfeſte vorzubereiten, ſchon um fünf Uhr Morgens in bangender Sorge nach dem Wetter ausſchauten, ſo war es doch noch eine recht frühe Tageszeit, als dieſelben durch den heute ſehr aufgeregten, unruhigen Rüding vom Lager getrieben wurden, und wo diejenigen unter ihnen, welche ans Fenſter traten, zu ihrer großen Freude bemerkten, daß das Wetter ſo günſtig als nur immer möglich ſei. Der vollkommen klare Himmel mochte wohl ſchuld daran ſein, daß es ein wenig gefroren war; doch war dieſer Froſt ſo gering, daß er ſich nicht einmal halten konnte vor den erſten Strahlen der Morgenſonne und daß er jetzt ſchon, zu dicken Thränen ſchmelzend, von den Dächern herabtropfte, um es der Erde wieder zu verkündigen, wie ſich das übermüthige Geſtirn da oben ſogar während der Monate, die doch der Herrſchaft ſeines Vaters, des Winters, eingeräumt ſeien, ſo höchſt anmaßende Ein⸗ griffe erlaube.

Walter allein dehnte ſich noch gähnend auf ſeinem Lager und brummte über das lächerliche Geſcheuche des ſanften Eduard, dem, wie er murrte, die Zeit noch früh genug herbeikomme, wo er ſich zu Pferde ſetzen und blamiren werde.