14 Dreiunddreißigſtes Kapitel.
warmen Süden kommend, war mit allen Vertheidigungsmitteln eines Faſchingskrieges verſehen und brannte vor Begierde, dem von Griesgram bedrängten Norden zu Hülfe zu eilen. Für heute wurde allerdings nur zwiſchen den Ankommenden und denen, die ſie mit begeiſtertem Beifalle empfingen, aufs gründlichſte fraterniſirt, und das einzige Blut, das heute überhaupt floß, war Blut der Trauben, welches indeſſen in Erwartung des morgenden heißen Schlachttages durchaus nicht geſpart wurde. Der Zug des verbündeten Vor⸗ trabs beſtand aus luſtigen Courieren verſchiedener Abſtammung: Dülkener, Clever, Gascogner, Abderiten, Cochemer, Schwaben wech⸗ ſelten in bunter Miſchung, wetteifernd unter ſich und mit den Pferden im Laufe der Sehnſucht, um das Gebiet der Stadt zu betreten, wo Tauſende von Zungen nach ihnen fragen, ſogar die des Gabbek auf dem Rathhausthurme, der ſchon verſchiedene Male wie ſehnſüchtig den Rachen geöffnet, Tauſende von Flaſchen ſie er⸗ warten. Die Couriere umgaben einen Zug, gebildet aus einem vierſpännigen Wagen, worin ſich die hohen Abgeordneten von Venedig und Rom beſinden, zwei dreiſpännigen mit den Bundes⸗ genoſſen von Cleve, Dülken, ſowie von Schwaben und der Gas⸗ cogne, einem zweiſpännigen, welcher die Freunde von Abdera Przlautſch umſchließt, und einem Rüſtwagen, mit allen Attributen der Freude und Narrheit beladen.
Unter anhaltendem Volksjubel und ſchmetternder Muſik zogen nun die lebensfrohen Verbündeten, begleitet von zahlloſen Zuſchauer⸗ maſſen, über die Severinſtraße, den Waidmarkt, die Hochpforte unter Pfannenſchläger und Hochſtraße triumphirend ein, mit herz⸗ lichem Zuruf von ſchönen Lippen begrüßt, ſowie durch das Wehen der Taſchentücher in den Händen Tauſender lieblicher Mädchen⸗ geſichter, mit denen alle Fenſter vom Erdgeſchoſſe bis zum Dach⸗ ſtocke beſetzt waren. Nachdem ſie den gefährlichen Engpaß an den Vier Winden glücklich hinter ſich hatten und ſich hier dem vom Feinde beſetzten nördlichen Stadttheile näherten, ſchlugen die tapfern Verbündeten ihr Hauptquartier im Kaiſerlichen Hofe auf und trafen


