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O, ſtille dies Verlangen! 279
lachen werden, Rodenberg, die aber eigentlich ganz verſtändlich iſt— ich möchte eine Probe von unſerem Zuge ſehen— Sie wiſſen, wir Künſtlerinnen halten viel von einer Generalprobe!“
„Aber wie wäre das möglich, ohne daß wir uns ſelbſt zum großen Maskenzuge um alle Ueberraſchung brächten?“ fragte Rodenberg.
„Wir würden uns eine kleine Variation erlauben— die wilde Jagd müßte morgen Abend, ohne daß irgend Jemand vom Publi⸗ kum davon wüßte, von Deutz her, unter Fackelſchein und Muſikbegleitung plötzlich in Köln erſcheinen, an meinem verſchloſſenen Wagen vor⸗ überziehen, und hätte ich dabei Gelegenheit, zu ſehen, ob der Zug impoſant genug iſt und wie er ſich in ſeiner Reihenfolge ausnimmt.“
„Sie würden uns alſo bei dieſer Probe nicht begleiten?“ er⸗ wiederte Rodenberg in einem Tone getäuſchter Erwartung.
„O, gewiß nicht,“ ſagte Don Joſe ernſt—„denken Sie doch, beim Dunkel der Nacht, und dann iſt's ja Iuanita's Zweck, die Wirkung des Zuges zu prüfen!“
„Mein Oheim hat Recht,“ pflichtete das Mädchen, mit dem Kopfe nickend, bei und ſetzte leiſe hinzu, indem ſie ſich gegen Roden⸗ berg hinneigte:„Ich habe dabei noch eine kleine Nebenabſicht. Der Prinz, der mich oft dadurch langweilt, daß er ſich in jeder Beziehung für unfehlbar hält und auch hier gerade ſo thut, als erhielte er von Allem, was geſchieht, die genaueſten Rapporte, ging eine Wette mit mir ein, es ſei nicht möglich, daß ohne Vorwiſſen des Kleinen Rathes ein nur halbwegs bedeutender Maskenzug arrangirt werden und ſeinen Auszug halten könne— ſoll ich meine Wette verlieren?“
„Gewiß nicht,“ gab Rodenberg zur Antwort;„aber ich wäre entzückt über dieſen Vorſchlag, wenn Sie nicht unſichtbare Zu⸗ ſchauerin wären.“
„Für Sie nicht,“ entgegnete ſie ganz leiſe, indem ſie ihren Rothſchimmel dicht neben den Rappen leitete;„ich werde links vom Thore in meinem Wagen halten— ſeien Sie mir nicht wider⸗ ſpenſtig,“ fuhr ſie darauf mit lauter Stimme fort,„Sie machen


