Teil eines Werkes 
54. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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O, ſtille dies Verlangen!

O, Juanita, Du biſt entſetzlich grauſam!

Arthur, Arthur, es kann und darf nicht ſein!

Wie würden ihn dieſe letzten Worte geſchmerzt, verletzt, zurück⸗ geſtoßen haben, wenn er nicht zugleich gefühlt hätte, wie krampf⸗ haft ſie mit ihren kleinen Fingern ſeine Hand feſthielt und drückte nur einen Augenblick, denn alsdann trennte ſie ihr Pferd durch eine raſche Wendung von ihm.

Juanita! bat er.

Doch ſchon hatte ſie ihr vollkommenes Gleichgewicht wieder erhalten.Arthur, danken Sie Gott, rief ſie dem jungen Manne ſcherzend zu,daß dieſer ſchreckliche Augenblick für uns Beide ſo gefahrlos vorüberging! Ich ſagte es Ihnen ja ſchon bei unſerer erſten Zuſammenkunft, wie gefährlich es für einen Sterblichen iſt, der verrätheriſchen Waldfee zu trauen o, glauben Sie mir und nehmen Sie ſich für die Zukunft in Acht!

O, Du biſt keine Waldfee! gab er ihr wohl im Scherze, aber mit einem düſtern Geſichtsausdrucke zur Antwortjene Weſen, die ihr Leben verbringen in heiterem Sonnenſcheine, an murmelnder Quelle, im Schatten des heiligen Waldes, fühlen tief und warm, und wenn ſie, wie ich glaube, einer Liebe fähig ſind, ſo laſſen ſie ſich auch von derſelben hinreißen nein, nein, Juanita ein ſolches Weſen, ein Geſchöpf des lichten Tages und des Sonnenſcheins biſt Du nicht!

Wie Du mich richtig erkannt haſt, gab ſie ihm kopfnickend zurück, nachdem ſie für einige Secunden die Hand auf Ihr Herz gedrückt hielt,und wie ich Dir leider Recht geben muß ja, ich bin ein Gebilde der Nacht, eines jener ſchattenhaften Weſen, die nur in der Stunde der Geſpenſter für Augenblicke zu einem heißen Liebesleben erwachen, ein Vampyr wenn Du willſt nimm Dich in Acht, Arthur, vor einem ſolch entſetzlichen Ungeheuer ein Wort aus meinem Munde, wie Du es wünſcheſt, würde gefolgt ſein von ewiger Trennung!

Hackländer's Werke. 54. Bd. 18