O, ſtille dies Verlangen! 267
Rüding blickte ſeinen Begleiter mit einer wahren Jammermiene an und athmete freudig auf, als dieſer ſagte:„Nur zu, was Euch anbelangt; ich und mein junger Freund hier, wir wollen indeſſen mit einem behaglichen Schritte fürlieb nehmen.“
Dahin flogen der Rappe und der Rothſchimmel, daß es eine Freude war, ihnen zuzuſehen, und Rüding glaubte ſich für dieſes Mal ſchon gerettet, als der kleine Schimmel mit einem gänzlich unvorhergeſehenen Sprunge, vor deſſen Folgen ſich der Reiter nur durch ein krampfhaftes Erfaſſen des Sattelknopfes retten konnte, die rechte Kantare zwiſchen die Zähne nahm, dann den Kopf auf⸗ warf und in einem geſtreckten Galopp folgte. Es war Rüding's Glück, daß er noch im Stande war, einen lauten Ruf:„Zu Hllfe, zu Hülfe!“ auszuſtoßen und daß dieſer Ruf von Don Joſe gehört und verſtanden wurde. Augenblicklich ließ er ſeinen großen Braunen folgen und hatte in wenigen Sätzen nicht nur den kleinen Schimmel erreicht, ſondern ſich auch des Zügels bemächtigt und das Pferd mit einem tüchtigen Ruck zum Stehen gebracht. Daß der ſanfte Eduard bei dieſer plötzlichen Parade das Gleichgewicht verlor und mit weit wegfliegendem Hute dem Schimmel um den Hals fiel, wobei er einen unnennbaren Theil ſeines Körpers auffallend erhob, hätte auch einem beſſeren Reiter geſchehen können. Doch war er für dieſes Mal von gänzlichem Sturze gerettet, krabbelte ſich wieder in ſeinen Sattel hinein und warf alsdann einen ſcheuen Blick auf ſeinen Hut, welcher glücklicher Weiſe dieſſeits des Straßengrabens liegen geblieben war.
Don Joſe, der in ſeiner Gutmüthigkeit dieſen Blick wohl ver⸗ ſtand, ritt ein paar Schritte ſeitwärts und hob mit ſeiner Reit⸗ peitſche die Kopfbedeckung Rüding's vom Boden auf.
„Ich— danke— Ihnen— herzlich— für meine Rettung — Sie— haben— mich— vor— einem großen Unglücke bewahrt! Dieſer Schimmel ſcheint mir ein gefährlicher Durchgänger zu ſein!“
„Ich glaube das nicht,“ erwiederte Don Joſe mit großer Ruhe; „die Pferde ſind an einander gewohnt, und als die Beiden davon


