Teil eines Werkes 
54. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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268 Zweiunddreißigſtes Kapitel.

ritten, hätten Sie nur Ihren Schimmel etwas feſter in die Hand nehmen ſollen; auch der Braune hier hatte eine Neigung, mit fort⸗ zugehen, doch mochte ich Sie nicht allein laſſen.

Wofür ich Ihnen aus tiefſter Seele danke! Allerdings bin ich früher häufig geritten und ſcheue mich auch nicht vor einem kleinen, ſoliden Trabe, ja, nicht einmal vor einem anſtändigen Ga⸗ lopp; aber wie im gewöhnlichen Leben, ſo haſſe ich auch auf dem Sattel alle rohen, unvorhergeſehenen Aufregungen!

Juanita und Rodenberg waren indeſſen in einem geſtreckten Jagdgalopp über die ſanft anſteigende Chauſſee geritten und hatten ſchon nach wenigen Minuten das Gewühl der Marktleute, ſowie ihre beiden Begleiter weit hinter ſich gelaſſen. Die junge Spanierin athmete tief auf, nicht aus Anſtrengung über dieſen ſcharfen Ritt, ſondern aus Entzücken über die ungebändigte Freiheit der Bewegung ihres Pferdes, über die Schnelligkeit, mit der ſie dahinflog, über das Wohlbehagen, welches ſie empfand, indem ſie ſo wie ein Vogel in ſeinem Fluge die Luft durchſchnitt. Sie hätte laut aufjauchzen mögen vor Entzücken; ihre Augen leuchteten und ihr Geſicht glühte von der ſcharfen Luft, mehr noch aber von ihrer Aufregung.

Wollen wir langſamer reiten, Juanita? fragte er.

Nein, nein, noch nicht, gab ſie zur Antwort,nur noch bis zu jener Baumgruppe dort vor uns auf der Wieſe, die ſich ſanft nach dem Rheine hinabſenkt, und wenn der Chauſſeegraben nicht zu breit iſt, wollen wir hinüberſetzen und ein wenig auf dem grünen Raſen halten; ich bin zu allen Tollheiten aufgelegt!

Wofür ich die Verantwortung übernehmen muß! antwortete Arthur.

Davon entbinde ich Sie und ängſtlich ſind Sie auch nicht, wie ich weiß alſo vorwärts!

Sie berührte ihren Rothſchimmel leicht mit der Reitpeitſche, und in verſtärktem Galopp flogen ſie der bezeichneten Baumgruppe zu.

Rodenberg, welcher die Zügel ſeines Pferdes in die rechte Hand genommen hatte, hielt ſich an der rechten Seite der kühnen