Teil eines Werkes 
54. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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266 Zweiunddreißigſtes Kapitel.

von der Luft des Carnevals, welche über Köln wehte, angeſteckt zu ſein. Hier ging ein Paar Arm in Arm, ein luſtiges Lied ſingend und dabei den ſchwankenden Gang ſchwer Betrunkener außerordent⸗ lich glücklich copirend; denn daß es eine Nachahmung war, hörte man an ihrem luſtigen Lachen, mit dem ſie jetzt ruhig ſtehen blieben und die Reiterſchaar vorbeiließen. Dort ſah man auf ſeinem leeren Marktkarren einen älteren Bauern ſitzen, eine Carnevalsmütze vom vergangenen Jahre auf dem Kopfe, die er vielleicht irgendwo zum Geſchenk erhalten, während ein junger Burſche neben ihm herſchritt und ſich nicht wenig auf ſeine ungeheure falſche Naſe zu Gute that.

Einem luſtig gemeintenGeck, lohs Geck elans, welches Roden⸗ berg einem vierſchrötigen Reiter zurief, der vor ihm auf der Mitte der Straße hielt, wurde lachend Folge geleiſtet und nur im Geiſte der Tage dadurch erwiedert, daß der Reiter, Don Joſe ſtarr an⸗ ſehend, ausrief:Wat hätt Kähl en Nas!

Rüding war tief aufathmend und etwas bleich ausſehend neben ſeinen Begleiter nun wieder dicht aufgerückt und erwiederte auf Rodenberg's Frage, wie es ihm gehe: er ſei zufrieden, wenn es nicht ſchlimmer komme; worauf ein Lächeln über die Züge des alten, ſonſt ſo ernſten Spaniers glitt, und er in gutmüthigem Tone zu Juanita ſagte:Du wirſt es uns nicht übel nehmen, mein Kind, wenn wir nicht immer dicht hinter Euch bleiben, der kleine Schimmel da geht einen gar zu langſamen Trab!

Wenn auch der ſanfte Eduard für dieſe Worte mit einem ſtummen Blicke dankte, ſo konnte er ſich doch nicht enthalten, in einem etwas unwilligen Tone einzuſetzen:Warum auch in die Welt hinausſtürmen, wie Rodenberg es ſo gern thut? Es iſt doch viel behaglicher, ſo in Ruhe des ſchönen Tages genießen zu können!

Gut, daß der Geſchmack auch darin verſchieden iſt, erwiederte die junge Dame lachend;was mich betrifft, ſo athme ich ſo wonnig und frei, wenn ich mit meinem Pferde in einem raſchen Tempo dahinfliegen kann! Du haſt doch nichts dagegen, wandte ſie ſich an Don Joſe,wenn wir einmal verſuchen, wie unſere Pferde ausgreifen?