262 Zweiunddreißigſtes Kapitel.
daß das unruhige Thier mit einem heftigen Kopfſchütteln ſeinen Meiſter erkannte.
Juanita ritt voraus, Rodenberg, auf einen Wink Don Joſe'’s, neben ihr; dann bewegte ſich Rüding's Schimmel vorwärts, ohne eine Hülfe abzuwarten, und neben ihm ritt der alte Herr.
Sie paſſirten das Rheinthor und wandten ſich alsdann gegen den Bayenthurm, um ſo die breite Landſtraße nach Bonn zu erreichen.
Hier, auf dieſem belebten Wege, ließ man die Pferde im Schritte gehen, was für Rüding ſehr erwünſcht war und was auch bei der allerdings ſanften Bewegung des kleinen Schimmels, bei der friſchen Winterluft, bei dem luſtigen, lebendigen Treiben am Ufer und am Strome ſeinen Muth etwas hob, ja, ihm ſogar ſo viel Sicherheit verlieh, daß er es nicht nur wagte, kühn um ſich zu ſchauen, ſondern ſogar an den Fenſtern hinaufzublicken, und den Verſuch machte, ſeine rechte Hand elegant auf ſeinen Oberſchenkel zu ſtützen.
„Da iſt der Bayenthurm,“ ſagte Rodenberg zu der jungen Dame, als ſie am Fuße des mächtigen, finſteren Baues vorüber⸗ ritten,„die Wohnung ſchwerer Verbrecher, welche, an Ketten ge⸗ ſchmiedet, wie die Galeerenſträflinge zu öffentlichen Arbeiten ver⸗ wandt werden. Ich erinnere mich dabei eines Vorfalles vor einigen Jahren, als ich auf kurze Zeit in Köln war und einen Bekannten von mir, einen einjährigen Freiwilligen, beſuchte, als er ſich gerade hier auf Wache befand. Gar zu gern hüätte ich dieſe Gefangenen in ihrer Behauſung geſehen, und um das möglich zu machen, zog ich zur nächſten Viſitation die Uniform meines Freundes an, nahm deſſen Muskete und gelangte ſo in den Thurm. Aber es war ein unerquicklicher, troſtloſer Anblick, dieſe Unglücklichen in langen Reihen auf ihrem breiten Lager zu ſehen. Mit dem rechten Fuße waren ſie vermittelſt einer ſchweren Kette an eine unten vorbeilaufende Eiſenſtange geſchloſſen. Die meiſten derſelben erwachten, als der Schein unſerer Laternen in ihre Augen fiel, warfen ſich ſeufzend, ſtöhnend oder auch Verwünſchungen murmelnd, von einer Seite


