Teil eines Werkes 
54. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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O, ſtille dies Verlangen! 263

auf die andere, wobei ihre Ketten unheimlich in dem hohen, ge⸗ wölbten Gemache raſſelten.

Vorbei vorbei! entgegnete Juanita, einen ernſten Blick auf den gewaltigen Bau werfend, der wie eine Wache an den Ufern des Rheines ſtand und auch den Zweck hatte, mit ſeinen Wallgängen und Schießſcharten das alte Köln zu beſchützen.Der Contraſt, dort das finſtere Thurmgefängniß mit ſeinen gefeſſelten Bewohnern, wir hier unten frei und fröhlich in den klaren, ſchönen Tag hinein⸗ reitend zufrieden glücklich!

Sind Sie das in der That, Juanita? fragte der junge Mann in einem weichen, ſchmachtenden Tone, indem er ſeinen unruhig vorwärts ſtrebenden Rappen mit ſtarker Hand ſo dicht an das Pferd der jungen Dame heranbrachte, daß er ſich nur ein wenig zu bücken brauchte, um den Trenſenzügel des Rothſchimmels, der etwas herabgeglitten war, wieder in Ordnung zu bringen, in⸗ dem er ihn leicht durch ihre Finger zog, wobei es nicht anders möglich war, als daß ſeine Hand die ihrige berührte.Fühlen Sie ſich wirklich froh und glücklich?

Gewiß, entgegnete ſie lebhaft und ſah ihn dabei mit ihren leuchtenden Augen innig an;ich lebe in der Gegenwart ſo unend⸗ lich froh und glücklich, daß ich weder an Vergangenheit noch Zu⸗ kunft denken mag und der Zeit gebieten möchte, eine gute Weile ſtill zu ſtehen!

Sie ſind gern zu Pferde? fragte er.

Sehr gern, ſehr gern alsdann fühle ich mich aller geſell⸗ ſchaftlichen Feſſeln ledig, ſo frei und unabhängig nur reite ich nicht gern im Schritte, wie wir jetzt!

Armer Rüding! dachte Rodenberg, indem er, ihrem aus⸗ geſprochenen Wunſche nachkommend, ſeinen Rappen in einen kurzen Galopp ſetzte, dem der Rothſchimmel augenblicklich folgte.

Ah, herrlich, herrlich! jubelte Juanitawie liebenswür⸗ dig die Bewegungen meines kleinen Pferdchens ſind, ich muß dafür Onkel Joſe einen Kuß zuwerfen! Sie wandte hierauf ihren