O, ſtille dies Verlangen! 261
Uebermuth; ein kräftiger Brauner für Don Joſe befand ſich nicht weit von Rüding's Schimmel.
„Ah, wie heiter mein Pferdchen iſt!“ ſagte Juanita—„mir iſt wohl, wenn ich einmal droben ſitze!“
Sie wandte ſich bei dieſen Worten mit einem reizenden Lächeln gegen Rodenberg, welcher ihr nun die Fläche ſeiner rechten Hand darbot, auf die ſie ihren zierlichen, kleinen Fuß ſetzte und alsdann, theils ſich ſelbſt emporſchnellend, theils von dem jungen Maler ge⸗ hoben, der ſich dabei nicht enthalten konnte, leicht ihren Fuß zu drücken, in der nächſten Secunde auf ihrem Damenſattel ſaß. Dann faßte ſie die Zügel, während Rodenberg ihr Kleid ordnete, und ließ hierauf ihrem Pferde etwas Luft, um faſt im gleichen Augenblicke den Verſuch deſſelben zu einer kleinen Lançade durch eine kräftige Parade zu unterbrechen.
Rüding hatte dieſen Moment auf das Geſchickteſte benutzt, in⸗ dem er die beiden disponiblen Stallleute zu ſich heran neben den kleinen Schimmel winkte, jedem mit der Schnelligkeit des Gedankens ein Zehnſilbergroſchenſtück ſpendete und ſie flüſternd bat, ihm beim Aufſitzen behülflich zu ſein. Es war dies ſehr klug manövrirt, denn kaum hatte er ausgeſprochen, ſo fühlte er ſich ſchon von handfeſten Fäuſten in die Höhe gehoben und ſaß im Sattel, ehe er es ſich ſelbſt dachte. Die Zügel wurden ihm in die Hand gegeben, ſeine Steigbügel raſch etwas kürzer geſchnallt, und dann ſagte ihm einer der gutmüthigen Stallleute mit leiſer Stimme:„Das Pferd geht ruhig wie ein Lamm, und wenn Sie je einmal mit ihm ſetzen wollen, ſo brauchen Sie es nur vor eine Hecke oder einen Graben zu bringen und es durch einen Zungenſchlag zu ermuntern.“
Davor ſoll mich der gütige Himmel bewahren! dachte Rüding, hatte ſich aber trotzdem ſchon ſo weit geſammelt, daß er mit Inter⸗ eſſe, ja, faſt mit Schadenfreude ſeinem Freunde Rodenberg zu⸗ ſchaute, der den Sattel ſeines unruhigen Rappens nur dadurch ge⸗ winnen konnte, daß er, ohne den Bügel zu gebrauchen, hineinvolti⸗ girte; dann aber faßte er ihn ſo kräftig zwiſchen Zügel und Schenkel,


