260 Zweiunddreißigſtes Kapitel.
„Ja, das iſt mein Freund Rüding,“ antwortete Rodenberg und ſetzte mit einer ehrfurchtsvollen Handbewegung auf Juanita hinzu:„Fräulein von Königsberg, ſehr befreundet mit unſerer verehrten Hauswirthin!“
Juanita lachte herzlich über ihren ins Deutſche überſetzten Namen, dann fragte ſie den ſanften Eduard:„Sie ſind gewiß, eben ſo wie Herr Rodenberg, ein vortrefflicher Reiter?“
„Mein Freund Rüding wird aus Beſcheidenheit Nein ſagen; doch verſteht er ſich vortrefflich auf dieſen Theil der noblen Paſſion, liebt aber, im Gegenſatze zu mir, die ſanfte, ruhige Gangart.“
„So hat man ja vortrefflich für Sie gewählt,“ ſagte Juanita, „Sie werden ein Damenpferd reiten, mit einem höchſt angenehmen Temperament, mein Rothſchimmel dort, den ich der Farbe zu lieb genommen— Sie wiſſen ja, Rodenberg,“ ſetzte ſie leiſer hinzu, „ein Feuerfarbener trug den Linken, wie Sie mir geſagt—, ſcheint weniger geduldig, und ich will ſehen, wie ich mit ihm fertig werde, wobei ich mich ein wenig auf Ihre feſte Hand verlaſſe.“
Rodenberg verbeugte ſich, wobei er nicht unterlaſſen konnte, ſeine rechte Hand, in der er die Reitpeitſche hielt, gegen das Herz zu drücken; dann gingen ſie zu den Pferden hinab, die auf der Straße aufgeſtellt waren.
Der große, elegante Rappe, den der wilde Jäger reiten ſollte, um ein paar Häuſer Länge voraus, wurde mühſam gehalten von einem ſtarken Reitknechte, der es trotzdem nicht verhindern konnte, daß er zuweilen ſeinen Kopf herumwarf und alsdann luſtig wieherte; einige Schritte hinter ihm hielt Rüding's Schimmel mit dem ruhigſten Ausſehen— das Pferd bewegte weder Kopf noch Schweif, obgleich es von Niemanden gehalten wurde, indem der Stallknecht, welcher es gebracht, mit einem anderen beſchäftigt war, den ſtarken und doch zierlichen Rothſchimmel vor der unteren Stufe der Treppe feſtzuſtellen, was ihnen aber nicht vollkommen gelang, denn bald trat er vor⸗, bald rückwärts und hob ſich auch zuweilen aus lauter


