Teil eines Werkes 
54. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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38 Vierundzwanzigſtes Kapitel.

zimmer des Hauſes zum Reichsapfel, wo er an einem der Fenſter ſaß und mit dem kleinen Tiſchchen, auf dem ſich ein Zeichenbrett mit einem angefangenen Aquarell befand, unmuthig hin und her rückte, wobei er finſter an den wie mit einem grauen Säleier über⸗ zogenen Himmel emporſah.

„Iſt das ein Wetter,“ brummte er—„nein, ich behaupte, es iſt gar kein Wetter! Der gute Stoff an blauem Grunde iſt da oben ausgegangen, und bis ein neues Stück vom Lager herunter⸗ gegeben wird, müſſen wir uns mit dem trübſeligen Unterfutter begnügen; da mag ich meinen Tiſch rücken, wie ich will, immer habe ich falſches Licht— zu malen wäre rein unmöglich.“

Rodenberg ſaß am anderen Fenſter und zeichnete eine ſeiner kunſtvollen Compoſitionen auf Holz.„Mir geht's auch nicht beſſer,“ ſagte er,„und dabei ſchillern die Bleiſtiftſtriche wie toll auf der glatten Fläche.“

„Doch brauchſt Du Dich mit Schatten und Licht nicht ſo abzu⸗ quälen, wie ich bei dieſen verfluchten Aquarellen; ich möchte mich ſelbſt bemaulſchellen, daß ich eine ſolche Arbeit übernommen.“

„Dir ſchadet das gar nichts,“ entgegnete der Andere, ruhig fortarbeitend,„wie oft haſt Du die Naſe gerümpft über unſere kleinliche Zeichnerei, wie Du es nannteſt, und dagegen gerühmt, welche Wonne darin läge, den Pinſel zu führen mit großartiger Handbewegung— ſo ungefähr!“— Er beſchrieb lachend mit ſeinem Bleiſtifte eine große Curve in der Luft.

„Ich habe Euch zeigen wollen, daß das Aquarelliren gar keine

ſo große Kunſt iſt— und der Teufel ſoll die großen Bilder holen!

Da malt man Jahr aus und Jahr ein, ſchickt hundert Quadratellen Leinwand auf allen Ausſtellungen herum, wird gut und ſchlecht recenſirt und kann Hungers ſterben, bis der Meſſias kommt, der uns von unſerem Bilde erlöst! Und was gut iſt, wird überhaupt nicht mehr gekauft— Alles Protection, Alles Schwindel— es iſt nie etwas Wahreres geſprochen worden, als was ich ſo oft geſagt:

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