Wir ſitzen ſo fröhlich beiſammen! 37
wenn ſie ſich ſo, ſcheinbar widerſtrebend, nach irgend einer be⸗ gangenen Unthat zur Strafe dort hinter der immer noch grünlichen Weinlaube fangen laſſen— ja, dieſer Herbſt, dem wir Alle gut ſind und den wir nach dem heißen, ſtaubigen Sommer ſo gern em⸗ fangen und damit eine alte, liebe Bekanntſchaft erneuern, er hatte auch einmal wieder ausgetobt, der gute, alte Junge, und ſich nach leichtem Froſte weniger Nächte in einen grämlichen, lebensmüden, ſchwerathmenden, verdrießlichen Alten verwandelt. Vorüber war der Schimmer jener ſcheinbar zweiten Jugend, des Alte⸗Weiber⸗ Sommers mit ſeinen warmen Tagen, mit ſeinem Glanze und ſeiner Pracht, mit den letzten Schmetterlingen, den letzten Roſen und jenen weißen, leuchtenden Sonnenfäden, den Blüthen des Herbſtes.
Da ſaß der alte Herbſt, verdrießlich eingehüllt in Regenmantel und Nebelſchleier, ſeit den wenigen Tagen nicht mehr zu kennen, mit feuchten Augen und Tropfen an der Naſe, mit gefurchter Stirn, Runzeln im Geſichte und eingefallenen Wangen, ein grämlicher, keifender, alter Mann, der ſich ſchauernd nach ſeinem Kaminwinkel umſieht und der auf die ganze Welt böſe iſt, weil ſie ihn nicht mehr ſchön und angenehm findet, weil er nicht mehr im Stande iſt, ihre Freuden zu theilen, und der ſeinen Arzt haßt, weil er ihn auf Flanell und Hühnerbrühe geſetzt.
Und wie er jetzt murrt und ſchillt, der unausſtehliche Alte, wie er die Regenſchirme mißhandelt und Hüte, die etwas locker auf den Köpfen ſitzen, wie pöbelhaft er mit den Damen umgeht, ſeine Späſſe mit Buſentüchern und Röcken übertreibt, um auf ſolch' indiscrete Art noch ein letztes Lächeln hervorzulocken!„
Pfui, dieſer alte, häßliche Herbſt! ⸗ ree Kee ⸗
Wie freue ich mich, wenn dieſe trüben, nebeligen Regentage ein⸗ mal vorüber ſind und eine geſunde Kälte kommt!
So dachten und denken Viele und ſprechen das auch wohl aus, ebenſo wie unſer Freund Walter im gemeinſchaftlichen Wohn⸗
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