34 Dreiundzwanzigſtes Kapitel.
los, nur um Eines beſchwöre ich Sie, glauben Sie mir, daß die Antwort, welche ich Ihnen vorhin gab und die ich Ihnen geben mußte, von mir vollkommen überlegt war!“
„O, daran habe ich nie gezweifelt— wer würde es wagen,— Sie mit Ihrem ruhigen Gemüthe und Ihrem kalien Nachdenken einer Uebereilung anzuklagen? Ich gewiß nicht!“
„O, Herr Olfers,“ ſagte ſie mit bebender Stimme,„ſagen Sie mir nicht ſolche Worte, ſprechen Sie nicht mehr mit mir!“
„Und warum ſollte ich nicht mehr mit Ihnen ſprechen bei einer ſo paſſenden Gelegenheit, an einem ſo ſchönen Abende?“
„Weil mir der Ton Ihrer Stimme weh thut!“
„Es iſt traurig genug für mich, daß Ihnen Alles an mir mißfällt, ſogar der Ton meiner Stimme!“
„O, ſchweigen Sie— ich beſchwöre ſie bei Allem, was Ihnen heilig iſt!“
„Gut denn, ich werde Ihnen gehorchen, mein Fräulein.“
Und abermals fuhr er mit der Hand über ſeine von Schweiß befeuchtete Stirn.
Conchitta fühlte an ſeinem bebenden Arme und am zitternden Klange ſeiner Stimme, wie ſchmerzlich bewegt er war, und da ſie die ruhige, feſte, ſo ſchwer aus dem Gleichgewichte zu bringende Natur wohl kannte, ſo hatte ſie das tiefſte Mitleiden mit ſeinem Zuſtande und mußte ſich daher gewaltſam zwingen, um nicht in Thränen auszubrechen, und dieſes um ſo mehr, da ſie wohl fühlte, daß ſie etwas Verſöhnliches zu ihm ſprechen mußte.—„Ich habe Sie immer für meinen Freund gehalten,“ ſagte ſie deßhalb nach 8 einer Pauſe, indem ſie ihn mit einem innigen, herzlichen Blicke anſchaute—„ich habe ſo wenig Freunde— wohl nur einen ein⸗ zigen— laſſen Sie mich meinen einzigen Freund nicht verlieren!“
„Ihren einzigen Freund? Einen Ihrer vielen Freunde, wollen Sie ſagen, und einen, deſſen Verluſt Sie bald verſchmerzen würden!“
„O, nie, nie— Roderich!“ rief ſie in leidenſchaftlichem Tone


