Die Sonne ſinkt, ihr letzter Schein zergeht. 33
habe, ihn anzublicken; doch bemerkte ſie wohl, wie furchtbar er litt: ſeine Rechte, mit der er ſich über die Stirn ſtrich, war feucht von Schweiß.
„Eine traurige Wahrheit,“ ſagte er alsdann,„iſt immer beſſer, als ein langer Zweifel— darf ich um Ihren Arm bitten, mein Fräulein, um Sie nach Hauſe zu begleiten? Seien Sie überzeugt, daß ich mit Ihnen von meiner Zukunft nicht mehr reden werde; wir wollen uns nur mit der Ihrigen beſchäftigen, und ich thue dieſes gern, indem ich mir erlaube, Ihnen aufs herzlichſte zu gratuliren.“
Während er ſo ſprach, blickte er das junge Mädchen nicht an, ſondern ſchaute an den weſtlichen Himmel, welcher ſo klar und glanzvoll erſchien und auf dem ſich alle entfernten Gegenſtände ſchwarz wie auf Goldgrund abhoben. Die Sonne war verſchwunden, und trotz des immer noch grellen Lichtes, welches über dem Hori⸗ zonte flammte, ſah man doch ſchon einen Stern ſilbern glitzernd in dem flüſſigen Golde des Abendhimmels glänzen.
„Ah,“ ſagte der Maler, nach einer langen Pauſe auf den Stern Wernd,„wie denkt man dort droben milder und gütiger für mich!— Und nun reichen Sie mir Ihren Arm, Fräulein Conchitta,“ wiederholte er„ohne Sorge, ohne Unruhe, ich werde Sie nur von Dingen unterhalten, die Ihnen angenehm ſind.“
Sie legte ſchüchtern ihren Arm in den ſeinigen, ſie ging ein paar Schritte ſchweigend neben ihm her, und erſt als er mit ge⸗ waltſam angenommener Heiterkeit, ſeine Aeußerung von vorhin wiederholend, ſagte:„Gewiß, wir wollen dieſen kurzen Reſt unſeres Weges noch luſtig ſein, ich will Sie unr von Schönem und Ange⸗ nehmem unterhalten“— antwortete ſie in weicherem Tone als bisher:„Das können Sie nicht und das verlange ich auch nicht,
Herr Olfers; denken Sie von dem, was die Leute ſagen, wie es
Ihnen gutdünkt, halten Sie mich meinetwegen für kalt, für gefühl⸗ Hackländer's Werke. 54. Bd.


