30 Dreiundzwanzigſtes Kapitel.
„So thun Sie es in der letzten Weiſe,“ erwiederte ſie ſeſt und entſchloſſen;„ich liebe es, meine Bekannten heiter zu ſehen!“
„Und Sie haben das wunderbar getroffen, von der Sache läßt ſich auch am beſten lachend ſprechen!“
„Nun denn, ſo erzählen Sie mir lachend.“
„Man ſagt, Sie ſeien im Begriffe, ſich zu vermählen.“
„Ei, man intereſſirt ſich in ſo weit für mich?“
O, man intereſſirt ſich noch mehr für Sie, man beſchäftigt ſich ſehr mit dieſer Ihrer ſonderbaren Idee, man lacht darüber, man ſpöttelt darüber, man findet es unbegreiflich— ah,“ ſetzte er hinzu, indem er ſeine Stimme gewaltſam zur Ruhe zwang,„es gibt Leute, die toll vor Vergnügen darüber werden könnten!— Aber nicht wahr, Conchitta,“ fuhr er auf einmal in ganz verändertem weichem Tone fort,„es iſt das eine Lächerlichkeit, was man ſagt, Sie haben nicht die Ambition, Madame Schmitz zu werden?“
Er legte ſeine Hand auf ihren Arm, und da er im gleichen Augenblicke ſtehen blieb, ſo ſah auch ſie ſich zum Verweilen ge⸗ zwungen. Doch wandte ſie ihr Geſicht dem Strauße von Feld⸗ und Waldblumen zu, den ſie in ihrer Hand trug, und erſt nachdem ſie ein paar Secunden ſo geſtanden und er ſeine Frage mit einer beängſtigenden Dringlichkeit wiederholt hatte, drehte ſie ihren Kopf herum und ſchaute ihn mit ihren großen, glänzenden Augen an, anfänglich nicht ernſt, nicht traurig, ſogar mit einem aufblitzenden Humor, und dabei kräuſelten ſich ihre Lippen, als wollte ſie ihm eine heitere Antwort geben; doch als ſie ſah, wie der ſonſt ſo ruhige Mann mit der feſten, ſicheren Haltung finſter, faſt drohend vor ihr ſtand und wie ſeine Lippen zuckten, da erwiederte ſie in derſelben kalten Ruhe, wie früher:
„Jedermann ſucht ſein Schickſal zu verbeſſern— warum ſollte ich es nicht auch thun?“
„Ah, das iſt nicht Ihr Ernſt, Conchitta, Sie wollen ſich über


