Teil eines Werkes 
54. Bd. (1873) Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Die Sonne ſinkt, ihr letzter Schein zergeht. 29

ſam, hätte mit ihm geplaudert, wie ſie es ſonſt wohl zu thun ge⸗ wohnt war, ſo würde ſich ſeine trübe Stimmung vielleicht in eine linde, wohlthuende Wehmuth verwandelt haben, und er hätte ihr offen ſein Leid geklagt, hätte ihr wie einer Freundin von den letzten traurigen Tagen erzählt und würde ſich durch ein tröſtendes Wort glücklich gefühlt haben; ſo aber wurde er durch ihre ſcheinbare Theilnahmloſigkeit, durch ihre abſtoßende Kälte tief verletzt, eine Bitter⸗ keit, welche ſeinem Herzen ſonſt fremd war, ſtieg in ihm auf und verwandelte ſich auf ſeinen Lippen in Worte, die er ſonſt gewiß nicht geſprochen hätte.

Ah, fragte er in einem Tone, der wie Hohn klingen ſollte, jedoch einen tiefen Schmerz nicht verkennen ließ,Sie ziehen ſich wohl von Ihren alten Freunden zurück, Fräulein Conchitta, weil Sie neue gefunden haben, deren Umgang Ihnen paſſender, ja, lohnender erſcheint?

Ich weißt nicht, was Sie damit ſagen wollen.

Was Jedermann ſagt, was Alle ſagen, welche Sie zu kennen das Glück haben!

Deren Zahl iſt gering, erwiederte ſie mit ſanfter Stimme, Sie wiſſen am beſten, daß ich wenige Bekannte habe und Freunde, ſetzte ſie mit einem raſchen Aufblicken hinzu,vielleicht gar keine!

Sie weichen mir aus,wodurch ich am beſten fühle, wie Recht ich hatte, vorhin zu ſagen, daß Sie Ihre bewährten Freunde, ohne ſich einen Vorwurf zu machen, einer neuen, gelinde geſagt, eigenthümlichen Wendung ihres Schickſals opfern!

In der That, Herr Olfers, ich verſtehe Sie nicht, und Sie würden mich verpflichten, wenn Sie in offenen, deutlichen Worten, wie ich es ſonſt an Ihnen gewohnt war, zu mir reden wollten!

Es gibt Dinge, entgegnete er mit einer eigenthümlich klingenden Stimme,die man nicht anders ſagen kann, als vor Aufregung zitternd oder indem man laut und luſtig hinauslacht!