Teil eines Werkes 
54. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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28 Dreiundzwanzigſtes Kapitel.

Das war nun aber nicht liebenswürdig von dem eben noch ſo geprieſenen Zufalle; auch ich hatte mir heute Morgen vorge⸗ nommen, jene Anſicht zu zeichnen, blieb aber weiter unten, weil Lytton fiſchen wollte.

Sie ſtreckte die Hand nach ihrem Buche aus, da ſich die Ent⸗ fernung zwiſchen ihr und Mercedes durch Roderich's Stehenbleiben bedeutend vergrößerte.

Wäre es nicht ſchön geweſen, wenn wir dort gemeinſchaftlich gezeichnet hätten? Es würde alsdann doch etwas in Erfüllung ge⸗ gangen ſein von jener hübſchen Idee! Wo wohnen Sie im Dorfe? 3

Wir nahmen keine Wohnung, erwiederte das junge Mädchen in ruhigem, feſtem Tone;wie ich vorhin ſchon ſagte, hatten wir anfänglich wohl die Abſicht, ein paar Tage hier zu bleiben; doch meinte Mercedes, es ſei viel beſſer, Abends nach der Stadt zurück⸗ zukehren und auch ich bin vollkommen ihrer Anſicht.

Nur verlieren Sie dadurch den entzückenden Morgen mit ſeinem herbſtlich prächtigen Dufte, gab er mit großer Ruhe zur Antwortund auch am Abende entgeht Ihnen viel; denn während Sie im Wagen auf der ſtaubigen Chauſſee fahren, haben wir hier das Aufſteigen der Nacht in den reizendſten Abſtufungen ah, und erſt den Waſſerfall dort drüben im Mondſcheine, man kann nichts Entzückenderes ſehen!

Er ſprach das mit einzelnen Pauſen, während er langſam an ihrer Seite dahinging, umſonſt erwartend, daß ſie ihm irgend eine Antwort geben würde, um ein weiteres, lebhafteres Geſpräch mit ihr anzuknüpfen. Doch war ſie entſetzlich einſilbig, und alles, was er vernahm, war vielleicht ein kaum hörbares Ja oder eine zweifel⸗ hafte Zuſtimmung, indem ſie ſagte:Ich glaube es, Herr Olfers.

Er fühlte es dabei deutlich, wie dieſe kalte Ruhe ſein Herz ſchneller ſchlagen machte und ihm das Blut raſcher nach den Schläfen trieb; wäre ſie unbefangen geweſen, wie früher, mittheil⸗