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Die Sonne ſinkt, ihr letzter Schein zergeht. 27
„Es iſt dies ein ſo glücklicher und angenehmer Zufall, Con⸗ chitta,“ fuhr er mit einem herzlichen Tone fort;„erinnern Sie ſich wohl, daß wir vor längerer Zeit davon ſprachen, eine kleine Partie zu⸗ ſammen zu machen? Natürlich Sie mit Mercedes und ich mit einem Freunde. Lytton iſt bei mir, er iſt mir vorausgegangen und wird ſich unendlich freuen, Sie zu ſehen. Wir hatten es damals beſprochen, irgend etwas gemeinſchaftlich zu zeichnen, und Sie wollten alsdann Ihr Blatt nach dem meinigen corrigiren— war es nicht ſo? O, Sie müſſen ſich erinnern!“
Er ſagte das ſo mit dem Ausdrucke inniger Freude, daß ſie wohl nicht anders konnte, als langſam ihre Augen erheben und ihn einen Moment anzublicken; doch war es nicht der offene, ruhige Blick von früher; ihr Auge erſchien unſtet, verſchleiert, und ſtatt ſich deſſen, was er ſagte, mit einer heiteren Miene zu erinnern, ſah ſie ihn ernſt und trübe an, wobei ſie ihre feinen Lippen feſt auf einander preßte.
„Der Zufall regiert die Welt und uns Alle,“ ſagte er hierauf mit einem angenommenen Frohſinne;„was wir ſo lange über⸗ legten, ich wenigſtens, woran ich ſo oft und ſo gern gedacht und was nie zur Ausführung kommen wollte, da gelingt es mit Einem Male, da iſt es der Zufall, welcher mir das Glück verſchafft, Sie an einem ſo wundervollen Tage, in Glanz und Sonnenſchein, in göttlicher Freiheit, umgeben von Berg und Thal wiederzuſehen— o, wie ich mich darüber freue! Laſſen Sie mich ſehen, was Sie gezeichnet haben.“
Sie reichte ihm zögernd ihr Skizzenbuch, welches er, ſtehen bleibend, öffnete und eine Partie aus der Felsſchlucht fand, die ihm bekannt war.
„Das iſt der Blick aus der Neanderhöhle ins Freie,“ ſagte er —„ſehr gut, Conchitta, richtig gezeichnet und mit kräftigen Strichen behandelt. Waren Sie ſo eben dort?“
„Wir kommen gerade daher.“


