26 Dreiundzwanzigſtes Kapitel.
„Auch ich hätte nicht erwartet, Sie hier zu finden, Herr Olfers, ſonſt...“ 3
Da ſie dieſen Satz nicht vollendete, ſo that dies der Maler mit einem gezwungenen Lachen, indem er ſagte:„Sonſt würden Sie ſich wahrſcheinlich gehütet haben, hieher zu kommen; es gehört nämlich nicht viel dazu, dieſen Gedanken zu errathen, er paßt ſo ganz zu der Vernachläſſigung, die ich in neuerer Zeit von Ihnen erfahren— ach, eine Vernachläſſigung, die mich ſchmerzlich berührte! Wir haben ſo ſehnlichſt gewünſcht, Sie noch bei uns zu ſehen, ich und meine kleine Margarethe..
„Ach ja— Margarethe,“ erwiederte das junge Mädchen, ihre Stimme ſchmerzlich erhebend,„o, ich habe an das Kind gedacht, viel, ſehr viel an es gedacht!“
„Und doch wäre es Ihnen ſo leicht geweſen, dieſe Gedanken in ein paar freundliche Worte zu verwandeln, was uns erfreut, glücklich gemacht hätte! O, was hätte ich darum gegeben, Conchitta, an einem gewiſſen Tage Ihre gute, ſanfte Stimme zu vernehmen!“
Die junge Spanierin machte einen raſchen Schritt, wie um von ſeiner Seite zu kommen, wobei ſie ſagte:„Dort vor uns geht Mercedes, ſie wird nicht wiſſen, wo ich bleibe.“
„O, beunruhigen Sie ſich nicht darüber,“ gab der Maler zur Antwort:„Mercedes hat ſchon ein paar Mal rückwärts geſchaut und mich gewiß erkannt; wir ſind ja alte Bekannte, ſie vergißt ihrer guten Freunde nicht ſo leicht!“— Er ſchaute ſie mit einem langen Blicke an, und als ſie, anſtatt irgend etwas zu erwiedern, vor ſich auf den Boden niederſah, fuhr er mit einer anmuthigen Bewegung fort:„Darf ich vielleicht fragen, Conchitta, ob Sie einen längeren Aufenthalt hier nehmen wollen?“
„Wir wollten ein paar Tage bleiben.“
„Ah, Sie wollten— doch jetzt wollen Sie das natürlicher Weiſe nicht mehr?“
„Das habe ich gerade nicht geſagt.“


