Teil eines Werkes 
54. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Die Sonne ſinkt, ihr letzter Schein zergeht. 23

o, wer mit ihnen ziehen könnte, von einer Bergſpitze zur andern, immer weiter und weiter, der Sonne nach

O, daß kein Flügel mich vom Boden hebt, Ihr nach und immer nach zu ſtreben!

Ich ſäh' im ewigen Abendſtrahl

Die ſtille Welt zu meinen Füßen,

Entzündet alle Höh'n, beruhigt jedes Thal, Den Silberbach in goldne Ströme fließen. Nicht hemmte dann den göttergleichen Lauf Der wilde Berg mit allen ſeinen Schluchten; Schon thut das Meer ſich mit erwärmten Buchten Vor den erſtaunten Augen auf.

Doch ſcheint die Göttin endlich wegzuſinken; Allein der neue Trieb erwacht,

Ich eile fort, ihr ew'ges Licht zu trinken, Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht, Den Himmel über mir und unter mir die Wellen, Ein ſchöner Traum, indeſſen ſie entweicht! Ach, zu des Geiſtes Flügeln wird ſo leicht Kein körperlicher Flügel ſich geſellen!

Doch iſt es Jedem eingeboren,

Daß ſein Gefühl hinauf und vorwärts dringt, Wenn über uns, im blauen Raum verloren, Ihr ſchmetternd Lied die Lerche ſingt,

Wenn über ſchroffen Fichtenhöhen

Der Adler ausgebreitet ſchwebt

Und üÜber Flächen, über Seeen

Der Kranich nach der Heimath ſtrebt.

Welch wunderbare Poeſie, ſagte Lytton, der, auf Roderich's Schulter geſtützt, lange ſchweigſam neben ihm ſtand und die Blicke ſchweifen ließ auf das herrliche Rundgemälde zu ihren Füßen welch' wunderbare Poeſie wir haben doch in der Art nichts Aehnliches! Doch laß uns zurückkehren, die langen Schatten, welche Bäume und Felſen gegen uns werfen, mahnen uns an den hereinbrechenden Abend.